Berlusconi bietet für KirchMedia mit

29. Oktober 2002, 17:53
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Gläubigerausschuss prüft Angebote - Vorentscheidung zwischen den drei Konsortien erwartet

Der italienische Medienunternehmer Silvio Berlusconi will nun doch größer ins deutsche Fernsehgeschäft einsteigen. Eine Sprecherin von Berlusconis Firma Mediaset teilte am Dienstag in Mailand mit, dass das Unternehmen die insolvente KirchMedia zusammen mit der Commerzbank mit den anderen Altgesellschaftern Lehman Brothers, Prinz Al Walid und Rewe übernehmen wolle. KirchMedia besitzt die Mehrheit an den Sendern ProsiebenSat.1 und die größte Spielfilmbibliothek Europas.

Die Gläubiger wollen am Mittwoch über die vorliegenden Kaufangebote entscheiden. Die Insolvenzverwalter und die Geschäftsführung der einstigen Kernfirma des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch hatten in den vergangenen Wochen nur noch mit drei Konsortien verhandelt. Diese Bieter sind der Hamburger Heinrich-Bauer-Verlag mit der HypoVereinsbank; die Altgesellschafter um Lehman und Commerzbank; und der französische Fernsehsender TF1 mit dem US-Medienunternehmer Haim Saban.

1,6 Milliarden Euro

Die Angebote sollten bis Dienstag verbindlich vorliegen. Sie sollen alle eine Größenordnung von 1,6 Milliarden Euro umfassen. In Finanzkreisen hieß es, die Unterschiede seien relativ gering. Mit entscheidend sei, welche Konzepte und Geschäftspläne die Investoren für die Weiterführung des Unternehmens hätten. Ob der Gläubigerausschuss bereits am Mittwoch einem Käufer den Zuschlag erteilt, war offen. Wahrscheinlicher sei eine weitere Eingrenzung des Bieterkreises und eine abschließende Prüfungs- und Verhandlungsrunde, hieß es aus beteiligten Kreisen.

KirchMedia war im April Pleite gegangen. Die Tochter KirchSport mit den Fernsehrechten für die Bundesliga und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war vor zwei Wochen für rund 300 Millionen Euro an den ehemalige Adidas-Chef Robert Louis Dreyfus und das KirchSport-Management um Günter Netzer verkauft worden.

Die Gläubiger der KirchMedia fordern insgesamt 9,3 Milliarden Euro, aber Insolvenzverwalter Michael Jaffe hat bisher nur 1,9 Milliarden als berechtigt anerkannt. Der Verkaufspreis würde nach Quoten an die Gläubiger verteilt. (APA/AP)

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