Auch Schüssel wollte Knoll in Politik holen

29. Oktober 2002, 15:07
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Superintendentin macht in Interview-Band keinen Hehl aus ihrer Ablehnung von Schwarz-Blau

Eisenstadt - "Eigentlich war Wolfgang Schüssel der erste, der mich schon 1995 in die Politik holen wollte." Das gibt die bisherige burgenländische Superintendentin und jetzige SPÖ-Kandidatin für ein Regierungsamt, Gertraud Knoll, in dem kürzlich erschienenen Interview-Band "Im Anfang war Beziehung" (Wichern-Verlag, Berlin) preis. Knoll äußert sich darin über die Ehe-Katastrophe ihrer Eltern, über Glauben und Kirche, ihre Ehe, aber auch über Fragen der Politik. Ihren persönlichen Lebensentwurf beschreibt sie mit den Worten, "eigentlich bin ich immer nur im Unterwegssein zu Hause. Nirgendwo gibt es für mich die heile Welt. Leben heißt für mich Polarität aushalten lernen und im lebendigen Beziehungsgeschehen wachsen".

"Nicht schwer gefallen, nein zu sagen"

Zum Versuch Schüssels, sie für die Politik zu gewinnen, sagt sie: "Damals war er Vizekanzler in der Regierung Vranitzky und umwarb mich, ob ich nicht als parteilose Ministerin in die österreichische Bundesregierung wechseln will. In Frage kam vor allem das damals noch bestehende Familienministerium, aber auch die Ressorts für Unterricht bzw. Umwelt." Es sei ihr aber nicht schwer gefallen, nein zu sagen, "weil ich meinen Beruf als Pfarrerin liebte und meine Aufgaben als Superintendentin erst vor mir lagen".

Ihr Antreten bei der Bundespräsidentenwahl 1998 lag für Knoll darin begründet, "eine durchaus willkommene Figur" gewesen zu sein, die in das Dilemma - der Bundespräsident wird von seiner Ehefrau wegen seiner Liaison mit seiner engsten Mitarbeiterin verlassen - "als Alternative" hineinpasste - "intakte Familie, Symbolfigur der Erneuerung und des Generationenwechsels, couragiert, eine Frau mit Haltung, ein frischer Farbtupfer gegen das bestehende Grau". Den Wahlkampf erlebte sie als "gnadenlose Maschinerie", und die Wochen und Monate danach "neuerlich als riesigen Kraftakt". Sie musste sich anhören, ihres Amts unwürdig und karrieregeil zu sein. Damit wusste sie endgültig: "Die Kirche ist nicht unbedingt meine einzige berufliche Heimat."

Zu Jörg Haider stellt Knoll fest, dieser habe sich mit seinen Wahlplakaten "geschickt als Erlöser in Szene gesetzt", doch "seine Sprache ekelt mich an." Durch Sprache und Inhalt stelle Haider seit Jahren unter Beweis, dass er "mit Koketterie in den Grauzonen des Nationalsozialismus herumtümpelt und die Verbrechen dieses verbrecherischsten aller Regime verharmlost".

Knoll macht auch kein Hehl aus ihrer Ablehnung von Schwarz-Blau. "Auch ich hatte die Legalität (dieser Regierung, Anm.) nie in Zweifel gezogen, aber mir ging es um die moralische Legitimität der Einbindung dieser Haider-FPÖ in die Bundesregierung". (APA)

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