Londoner Klinik nach Embryo-Verwechslung geschlossen

29. Oktober 2002, 14:03
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Chronischer Personalmangel und "chaotische Zustände"

Eine Londoner Klinik, in der zwei Frauen nach einer künstlichen Befruchtung versehentlich die falschen Embryos eingepflanzt wurden, ist geschlossen worden. Nach einem Bericht des "Daily Telegraph" (Dienstagausgabe) waren chronischer Personalmangel und "chaotische Zustände" für die Verwechslung verantwortlich. Die Glasbehälter, in denen die Embryos aufbewahrt wurden, waren falsch markiert worden.

Drei Frauen betroffen

Nach dem Schock der Feststellung des Fehlers hatten sich die Frauen Abtreibungen unterzogen. Die Abteilung für künstliche Befruchtung an dem staatlichen Krankenhaus in Süd-London wurde nach Bekanntwerden des Vorfalls am Montagabend geschlossen. "Es war schrecklich für die Patientinnen", sagte Krankenhausdirektor Professor Paul Jones dem "Daily Telegraph".

Insgesamt waren drei Frauen betroffen: Bei der ersten waren durch künstliche Befruchtung mehrere Embryos erzeugt worden - solche von "guter" und solche von "minderer" Qualität. Irrtümlich wurden der Frau nur die "weniger guten" Embryos eingesetzt, während die "guten" einer anderen Frau implantiert wurden. Deren Embryos wiederum bekam eine dritte Frau.

Keine doppelte Überprüfung aufgrund von Personalmangel

Jones bedauerte, dass die nötigen doppelten Überprüfungen wegen Personalmangels entfallen seien. "In der Klinik herrschten chaotische Zustände. Hoch qualifiziertes Personal musste in einem Umfeld arbeiten, in dem Fehler unvermeidbar waren."

Erst im Juli hatte ein weißes britisches Paar nach künstlicher Befruchtung schwarze Zwillinge bekommen. In Holland hatte eine weiße Frau 1993 dunkelhäutige Zwillinge zur Welt gebracht. In beiden Fällen wurden die Spermien der Männer verwechselt. In Großbritannien nutzen jährlich 27.000 Paare die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung. (APA/dpa)

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