Spitalsaufenthalt rechtfertigt für ORF "Ausnahme"

29. Oktober 2002, 13:59
posten

Mück: Kritik der Parteien an angeblicher Unausgewogenheit

"Nicht sinnvoll" ist für den ORF eine Verschiebung der TV-Konfrontation des erkrankten FPÖ-Parteichefs Mathias Reichhold mit SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer. Da nicht absehbar sei, wann Reichhold wieder genesen werde, sei auch die Konfrontation mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) in der kommenden Woche ungewiss, schrieb der ORF am Dienstag in einer Aussendung. Vom ORF-Prinzip, nur die Spitzenkandidaten zu den TV-Duellen zuzulassen, wird daher in diesem Fall abgegangen: "Ein Spitalsaufenthalt des geladenen Gastes rechtfertigt im Interesse des Publikums diese Ausnahme", so Chefredakteur Werner Mück.

"Mit Schnupfen geht´s aber nicht"

"Mit Schnupfen geht's aber nicht", präzisierte er gegenüber der APA. Die Debatte, ob es der ORF tolerieren würde, wenn eine Partei nicht den Spitzenkandidaten schicken will, sei aber ohnehin "obsolet, da alle Spitzenkandidaten wollen", betonte Mück. "Ich gehe davon aus, dass sich Spitzenkandidaten nicht freiwillig ins Krankenbett legen."

Beinahe täglich ist der ORF derzeit auch unter Beschuss seitens der wahlwerbenden Parteien, die dem öffentlich-rechtlichen Sender Unausgewogenheit in der Berichterstattung vorwerfen. Die SPÖ hat wiederholt eine "Bevorzugung Schüssels" beklagt, am Dienstag vermeinte aber auch Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) im ORF eine "Hofberichterstattung" für die ÖVP zu erkennen.

Nebenfront im Wahlkampf

Mück kommentierte die Rolle des ORF als Nebenfront im Wahlkampf gelassen: "Das gehört zum Wahlkampfritual, ist Ausdruck von Nervosität und hat nichts mit der Realität zu tun. Die tägliche Arbeit stört es überhaupt nicht." In der Intensivphase des Wahlkampf wolle eben "jeder mehr". Die Aufgabe des ORF sei es in dieser Situation, "schnurgerade zu fahren".

Interventionen gebe es keine, betonte Mück: "Bei mir persönlich hat sich niemand beschwert, und bei mir hat auch noch niemand interveniert. Ich betrachte das eigentlich als einen großen Fortschritt, wenn ich mir in Erinnerung rufe, wie es früher zugegangen sein soll." (APA)

Share if you care.