Ätna: Lavastrom wird langsamer

31. Oktober 2002, 14:06
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Vulkanologen fürchten eine explosivere und gefährliche Charakterveränderung des Vulkans

Catania - Die Menschen in der sizilianischen Krisenregion um den Vulkan Ätna konnten in der Nacht auf Donnerstag ein wenig aufatmen. Die Aktivität des Vulkans ließ etwas nach, der Lavastrom wälzte sich merklich langsamer die Hänge hinab. Die 1.000 Obdachlosen schliefen in der Nacht zum Donnerstag in Zeltstädten, die von Rettungsmannschaften errichtet worden waren.Zugleich verteilte die Stadtverwaltung der Metropole Catania 15.000 Atemmasken zum Schutz vor dem Ascheregen.

Unklar ist derzeit noch, ob der Flughafen Catania und die Schulen wie geplant am Donnerstag wieder geöffnet werden.

Die Lava floss nur noch mit einer Geschwindigkeit von zwei Meter pro Stunde die Gebirgshänge hinab. Dennoch könne keine Entwarnung gegeben werden, hieß es. Niemand wisse, wie sich die Lage in den nächsten Tagen entwickelt.

Experten sprechen von den schwersten Ausbruch seit vielen Jahren. Der größte Vulkan Europas habe deutlich mehr Lava in den Himmel gespuckt als bei den Eruptionen im Sommer vergangenen Jahres. Einige Vulkanologen fürchten, dass der Ätna seinen Charakter verändert und zunehmend explosiver und gefährlicher wird.

Nach den Erdbeben am Mittwoch hat indes die italiensche Regierung schnelle Hilfen versprochen. Zunächst müsse aber das ganze Ausmaß der Schäden festgestellt werden, sagte ein Regierungsvertreter.

Gebäudeschäden weiterhin unklar

Die genaue Zahl der obdachlos gewordenen Menschen und das ganze Ausmaß der Gebäudeschäden nach dem Beben vom Dienstag (4,4 auf der Richterskala) war weiterhin unklar. Das staatliche italienische Fernsehen sprach von 1.000 bis 1.500 Menschen, andere Quellen sprachen von bis zu 2.000. Viele Obdachlosen bezogen Zeltstädte, einige Hundert fanden in Hotels ein Dach über dem Kopf. Allein in Sanata Venerina habe es 16 Leichtverletzte gegeben, berichtete ein Korrespondent des Staatsfernsehens RAI.

Catania zu 40 Prozent der Häuser nicht mehr bewohnbar

In der Provinz Catania werde befürchtet, dass bis zu 40 Prozent der Häuser nicht mehr oder nur noch teilweise bewohnbar seien. Viele ältere Gebäude seien überhaupt nicht vor Erdbeben geschützt. Der Bürgermeister von Catania sagte: "Vor allem der Zustand der vor 1980 gebauten Häuser bereitet Anlass zur Sorge." Über Schäden klagten auch die Bauern: Durch den Ascheregen sei in einigen Gebieten die Wein- Ernte gefährdet. "Der feine Staub hinterlässt schwere Schäden", sagte ein Sprecher. Er gehe auf die Blätter nieder und bringe die Pflanzen praktisch zum Ersticken. (APA/dpa)

Grafik: Der Ätna ist wieder aktiv

Stichwort: Ätna

Größer und aktivster Vulkan Europas
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    Regenschirm und Atemmaske gegen den "Schwarzen Regen"

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