Neues Staatspräsidium Bosnien-Herzegowinas vereidigt

29. Oktober 2002, 19:53
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Tihic, Sarovic und Covic versprechen Fortsetzung der Reformen

Sarajewo/Banja Luka - Drei Wochen nach den allgemeinen Wahlen in Bosnien-Herzegowina ist am Montag das neue Staatspräsidium vereidigt worden. Die neuen Mitglieder des nach nationalen Gesichtspunkten zusammengesetzten kollektiven Präsidiums sind Sulejman Tihic (Bosniake/Moslem), Mirko Sarovic (Serbe) und Dragan Covic (Kroate). Wie bosnische Medien am Dienstag berichteten, werde nach dem geltenden Rotationsprinzip der Vorsitzende des Präsidiums alle acht Monate gewechselt. In den folgenden acht Monaten wird demnach Sarovic die Funktion des Vorsitzenden ausüben, gefolgt von Covic und Tihic.

Tihic (Partei der Demokratischen Aktion), Sarovic (Serbische Demokratische Partei) und Covic (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) sind jeweils Mitglieder national orientierter Parteien. Ihre ehemals strikt auf nationaler Ebene gegründeten Parteien sind hauptverantwortlich für den Krieg in Bosnien (1992-1995). Mittlerweile wird aber allen drei Parteien von vielen internationalen Experten attestiert, eine positive Wandlung weg von nationalistischer hin zu reformorientierter Politik durchgemacht zu haben.

Eröffnungsreden

In ihren Eröffnungsreden betonten alle drei Präsidiumsmitglieder, den eingeschlagenen Weg der Reformen fortsetzen zu wollen. Tihic nannte in seiner Rede die Wahrung der Souveränität und territorialen Integrität Bosniens, die Erfüllung der Bedingungen für den Eintritt in euroatlantische Integrationsprozesse, die Bildung eines einheitlichen Wirtschaftsraums, Kooperation mit Nachbarstaaten und Stärkung des Vertrauens zwischen den Bürgern als Hauptziele.

Er glaube fest an ein Land, in dem kulturelle und andere Unterschiede nicht Ursache für Konflikt und Intoleranz , sonder etwas Positives darstellen werden. Bosnien-Herzegowina müsse "ein geliebtes Heimatland für alle Völker und Bürger" werden, betonte Tihic. Sarovic strich in seiner Rede die in der vergangenen Periode erzielten Fortschritte hervor. Allerdings bleibe noch sehr viel zu tun. Die wichtigsten Ziele seien nun Stärkung der inneren Stabilität des Landes, Realisierung bereits begonnener Reformen und Eingliederung Bosniens in euroatlantische Integrationsprozesse.

Von Bedeutung seien ferner die Mitgliedschaft im NATO-Programm Partnerschaft für Frieden, Bildung eines einheitlichen Wirtschaftsraums, Stärkung der Gesetzesherrschaft und Ausbau der Zivilgesellschaft. Basierend auf den Dayton-Vertrag müssten mittels Dialogs und Kompromisses die inneren Beziehungen weiter ausgebaut und gestärkt werden. Ebenso werde er sich für die Erfüllung aller internationaler Pflichten einsetzen, betonte Sarovic.

Auch Covic strich in seiner Rede die Notwendigkeit der weiteren Realisierung von Reformen hervor. An die internationalen Vertreter in Bosnien appellierte er, den neu gewählten Organen Vertrauen zu schenken. "Wir wünschen mehr als Sie selbst ein demokratisches und europäisches Bosnien-Herzegowina. Wir haben Programme, großen Willen und Wissen, dies gemeinsam zu realisieren". Einzig Zeit habe Bosnien nicht mehr. Es gebe zu viele unzufriedene, enttäuschte und frustrierte Menschen. Der Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit müsse ein Ende gesetzt werden, sagte Covic.(APA)

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    Draqan Covic (li.) von der HDZ, Mirko Sarovic (Mi.) von der SDS und Sulejman Tihic (re.) von der SDA

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