Paula: "Warum Berlin"

    21. Oktober 2005, 20:22
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    Auch Berlin ist schließlich nur eine Stadt, in der man herumhängt, Zeitung liest und aus dem Fenster guckt

    Wenn ich uns aus der Ferne sehe
    finde ich, dass es schlaue wäre
    an alles nur nicht an dich zu denken
    doch ich bin nicht schlau...

    Ich liebe Paula, was soll ich machen. Lauf ja sogar mit einem Pullover von ihnen herum und geh einmal die Woche zum Treffen der Anonymen Plastikpop-Hörer. Dass neben mir gerade gemault wurde: "Ja, singen die denn nur übers Frühstücken?", während Paula zum ... äh ... Frühstück lief, stecke ich locker weg.

    Wenn "Ich weiß zuviel", die Eröffnungsnummer der neuen CD, mit einem Klimper-Stakkato beginnt, wie es in metropolitanen Soundtracks gerne verwendet wird, während im Bild Zeitraffer-Autos durch die Straßen flitzen, glaubt man zunächst ja noch an sowas wie ein Konzept. Der Hype-förderliche bzw. -ausnützende Titel "Warum Berlin" winkt ja überdeutlichst mit dem Zaunpfahl.

    In dieser schönen Stadt
    in der man alles hat
    ich weiß es, doch was soll ich hier?

    Die viel zu große Stadt
    die nur für mich nichts hat
    ich wäre lieber doch bei dir

    ... allein, das ist es nicht. Paula bleiben ihrer vertrauten Welt treu: den unspektakulären kleinen privaten Geschichten, der Zweierbeziehung und wie man wartet, bis wieder eine vorbeikommt oder bis die jetzige ausläuft - oder was weiß man schon. So zwingen wir die Welt uns zu beweisen, dass es immer bleibt, wie es war ... Auch Berlin ist schließlich nur eine Stadt, in der man herumhängt, Zeitung liest und aus dem Fenster guckt. Und das ist vielleicht das beste Statement, das man zum aktuellen Berlin-Hype abgeben kann; vor allem, wenn man mitten in dessen Epizentrum wohnt.

    Ich sitze schon seit Tagen hier
    und warte auf ein Wort von dir
    ich weiß, ich werde lange warten.

    Was den Sound betrifft: Nachdem Paula auf ihrem Debüt "Himmelfahrt" eine irrwitzige Mischung aus NDW und Techno-Pop hingelegt hatten und auf der Nachfolgerin "Liebe" ein Jahr später quasi im Schnellen Brüter zu einer unerwartet entschleunigten Reifung gefunden hatten, haben sie jetzt die Schraube wieder eine Windung zurück gedreht: "Warum Berlin" hat eindeutig höhere bpm-Zahlen als die Vorgängerin; vor allem die ersten drei Nummern knallen wieder ganz paulagemäß mit euphorisierenden Melodien. "Die Stadt" ist bereits als Single ausgekoppelt und "Ich denke nicht oft an dich" muss zwangsläufig noch folgen.

    Das Tempo wird erst gegen Album-Ende hin ganz diskret zurück genommen, und "Der erste Versuch" ist eine wunderschöne Ballade mit "U-huuuuuu"-Gesang im Hintergrund und Cembalo-Klängen, die beinahe echt sind. Und um Kaffee geht's auch schon wieder ...

    Ich denke nicht oft an dich
    aber immer noch mehr
    immer noch mehr
    als es nötig wär.
    Ich denke nicht oft an dich
    aber wenn, dann sehr.

    Jaja ...
    (Josefson)



    Paula: "Warum Berlin"
    (Columbia/Sony 2002)

    Anspieltipps: "Ich denke nicht oft an dich", "Tadelloses Paar", "Ich weiß zuviel", "Die Stadt".

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