Neues Medikament gegen Blutvergiftung nun auch in Europa zugelassen

29. Oktober 2002, 12:23
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Wien - Nach - vorsichtigen - Schätzungen sterben derzeit jedes Jahr immer noch weltweit rund 500.000 Menschen an Blutvergiftungen, das sind 1.400 pro Tag. In Österreich dürfte die Zahl in der Größenordnung von 15.000 jährlich liegen. Jetzt ist - nach den USA - auch in Europa ein neues Medikament in der Behandlung von schwerer Sepsis zugelassen. Die Substanz Aktiviertes Protein C (Handelsname: Xigris) des internationalen Pharmakonzerns Eli Lilly soll nach einer im März 2001 publizierten Untersuchung die Todesrate von Patienten mit schwerer Sepsis um 19,4 Prozent senken.

Aktiviertes Protein C sei ein natürlicher Eiweißstoff, der normalerweise im Körper gemeinsam mit anderen Faktoren eine zu starke Blutgerinnung verhindere, hieß es von Seiten des Pharmaunternehmens. Im Rahmen einer Sepsis werde dieses körpereigene Protein C schnell verbraucht, der Krankheitsprozess nehme seinen Lauf. Laut dem Pharmakonzern kann nun erstmals dieses Eiweiß durch das naturidentische, rekombinant hergestellte Aktivierte Protein C ersetzt und so die schwere Blutvergiftung auf der Ebene der Blutgerinnung bekämpft werden.

"Die Sepsis ist eine akute lebensbedrohliche Erkrankung auf Basis einer meist bakteriellen Infektion", sagte Dr. Heinz Brock, medizinischer Direktor des AKH Linz, heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz in Wien. Bei der schweren Verlaufsform der Sepsis führen aber nicht die Infektionserreger, sondern die körpereigenen Abwehrreaktionen zu Organversagen und zum Tod der betroffenen Patienten.

"Die Todesrate einer schweren Sepsis liegt trotz der modernen Intensivmedizin noch immer zwischen 30 und 50 Prozent. Alleine in den USA versterben jährlich mindestens 225.000 Menschen an einer Sepsis", erklärte Brock. "Die Sepsis ist eine der letzten Herausforderungen der Intensivmedizin."

Bei der Prowess-Studie, die als Basis für die Zulassung diente, waren weltweit 1.690 Patienten mit schwerer Sepsis inkludiert. 850 dieser Patienten wurden 96 Stunden lang mit Xigris behandelt, 840 Patienten erhielten lediglich ein Placebo (Scheinmedikament). "Die Todesrate der Gruppe, die das Placebo erhielt, betrug 30,8 Prozent, während diejenigen, die mit Xigris behandelt wurden, eine Rate von lediglich 24,7 Prozent hatten", sagte Brock. Daraus ergebe sich, dass pro 16 mit Aktiviertem Protein C behandelten Patienten ein Todesfall verhindert werden könne. Als Nebenwirkung wurde von dem Pharmaunternehmen eine nur gering erhöhte Blutungsneigung genannt.(APA)

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