Kinowelt-Chef Kölmel verhaftet

30. Oktober 2002, 10:20
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Es habe Fluchtgefahr bestanden ...

Kinowelt-Gründer Michael Kölmel ist verhaftet worden. Es habe Fluchtgefahr bestanden, sagte ein Sprecher des Landgerichts München I am Dienstag einen Tag nach der Verhaftung Kölmels. Ermittelt werde gegen den früheren Chef des insolventen Kinowelt-Konzerns wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und der Untreue. Zudem laufe auch gegen seinen Bruder und Geschäftspartner Rainer Kölmel ein Ermittlungsverfahren. Dieser befindet sich aber auf freiem Fuß.

Die Kölmels wollten eigentlich zum 1. November das insolvente Unternehmen wieder übernehmen. Der Kaufpreis von 32 Millionen Euro sollte bis Ende Oktober bezahlt werden. Arbeitnehmer-Vertreter zeigten sich nicht überrascht von der Verhaftung Kölmels.

Zukunft der Firma ungewiss

Die Zukunft der Medienfirma ist nun ungewiss. Der Kinowelt-Aktienkurs war bereits am Montag um zeitweise mehr als ein Drittel eingebrochen. Am Dienstag gab er noch einmal um zeitweise 29 Prozent auf 0,17 Euro nach, legte dann im Tagesverlauf aber wieder deutlich zu. Das einstige Schwergewicht am Neuen Markt gilt schon länger als reines Zocker-Papier.

Insolvenzverwalter Wolfgang Ott wollte sich zunächst nicht zu der neuen Situation abgeben. Kinowelt hatte im Dezember 2001 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, nachdem das Unternehmen in den ersten neun Monaten Verluste von mehr als 300 Millionen Euro gemacht hatte. Im Mai wurde das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. Für eine Übernahme des Kerngeschäfts interessierten sich zwei Kinoweltgeschäftsführer sowie die Gruppe um Kölmel und seinen Bruder Rainer, die von den Gläubigern den Zuschlag bekamen.

Die Arbeitnehmer standen einer Übernahme durch die Kölmel-Brüder skeptisch gegenüber. Im Zusammenhang mit möglichen Unregelmäßigkeiten der Kölmels fordert der Betriebsrat seit Wochen Einblick in die Ergebnisse einer Sonderprüfung. "Wenn man sich anschaut, was für Erfahrungen wir in der Vergangenheit mit den Gebrüdern Kölmel gemacht haben, sind wir nicht überrascht", kommentierte Steffen Schmidt von Connexx.av, dem ver.di-Ableger für Funk, Film und Fernsehen, die Verhaftung Kölmels. Es sei fraglich, ob die Übernahme durch Kölmel noch zu Stande komme. "Es ist ohnehin zweifelhaft, wenn Alteigentümer die Unternehmen, die sie in den Sand gesetzt haben, für ein bisschen Butter und Brot wieder zurückkaufen können." (APA/dpa)

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