Ermittlungen wegen Bilanzfälschung bei Vivendi

29. Oktober 2002, 13:12
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Kleinanleger hatten fehlerhafte Informationen beklagt

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bilanzfälschung beim französisch-amerikanischen Mischkonzern Vivendi Universal (VU). Wie die Behörde am Dienstag bekannt gab, leitete sie nach einer Strafanzeige von Kleinaktionären ein Ermittlungsverfahren bei der zweitgrößten Mediengruppe der Welt ein. Dabei geht es um die Vivendi-Bilanzen der Jahre 2000 und 2001. Unterdessen erhielt der angeschlagene Konzern zumindest einen Monat Aufschub im Tauziehen mit Vodafone um die französischen Telefonfirmen Cegetel und SFR. Die VU-Aktie gab zunächst mehr als vier Prozent nach.

APPAC klagt

Den Angaben zufolge hatte die Anlegervereinigung APPAC (Association des petits porteurs actifs) geklagt, sie sei durch fehlerhafte Informationen über die Finanzlage von Vivendi Universal getäuscht worden. Sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen, will die APPAC demnach als Nebenklägerin auftreten. Ihre Strafanzeige war Ende Juli eingegangen, einen Monat nach dem Wechsel an der Firmenspitze von Jean-Marie Messier zu Jean-René Fourtou. Seit Juli prüft bereits die Pariser Börsenaufsicht COB die seit Jänner 2001 gegebenen finanziellen Informationen aus dem Hause Vivendi Universal. Sollte die COB Verstöße feststellen, müsste sie dies den Staatsanwälten mitteilen.

Aufschub

Vivendi hat nach Messiers jahrelanger weltweiter Einkaufstour Milliardenschulden und kämpft derzeit um den Erhalt der Kernsparten Unterhaltung, Telekommunikation und Wasserversorgung. Am Montagabend erhielt das Unternehmen Aufschub im Tauziehen um Cegetel und SFR: Das Pariser Handelsgericht entschied, dass die Cegetel-Minderheitsaktionäre BT Group aus Großbritannien und SBC Communications aus den USA ihre Anteile nicht vor dem 10. Dezember an den Vivendi-Konkurrenten Vodafone verkaufen dürfen. Die Frist wäre ursprünglich am 10. November abgelaufen.

Bei Cegetel sind derzeit sowohl die finanziell angeschlagene Vivendi-Gruppe als auch Vodafone mit großen Anteilspaketen vertreten. Vodafone-Chef Chris Gent will die übrigen Partner herauskaufen und die Firma übernehmen. Damit will er vor allem Zugriff auf den zweitgrößten französischen Mobilfunk-Anbieter SFR erhalten. Vivendi hat ein Vorkaufsrecht, bislang aber zu wenig Geld, um seine bereits gehaltenen 44 Prozent an Cegetel zu einer Mehrheit auszubauen. BT Group hält 25 Prozent an der Firma, SBC 15 Prozent. (APA/AFP)

Jean-Marie Messiers Anwalt meint zu dieser Kausa: Die Vivendi-Bilanzen sind "exakt"
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