Einlagen sinken: Sparschwein auf Diät

31. Oktober 2002, 10:08
2 Postings

Konjunktur und Steuern zehren am Einkommen - Reserven werden angeknabbert

Wien - Zum heurigen Weltspartag ist den Österreichern die Erhaltung ihres Lebensstandards wichtiger als das brave Befüllen ihrer Sparstrümpfe. Auf die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten reagieren sie nicht mit mehr Sparen, sondern sie greifen in ihre Sparschweine, um sich die gewohnten Dinge leisten zu können. Gleichzeitig legen sie fortlaufend immer weniger auf die Seite.

So ist die Neuveranlagung der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro zurückgegangen, berechnet die Nationalbank in ihrer jüngsten Studie. Als Reaktion auf die anhaltend flaue Konjunktur dürfte dieser Trend auch heuer und im kommenden Jahr anhalten, erwartet Nationalbank-Direktor Peter Zöllner.

Sparquote rapide gesunken

Insgesamt ist die Sparquote der einstigen "Sparweltmeister" in den vergangenen sechs Jahren von zwölf auf nunmehr 5,2 Prozent gesunken, allein im Vorjahr um 0,8 Prozent, wie die Nationalbank berechnet: Steuererhöhungen und geringere Lohnzuwächse in einer schwachen Konjunktur haben das frei verfügbare Einkommen geschmälert, gleichzeitig nimmt der private Konsum laut Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo um derzeit real ein Prozent zu. Zusammen stehen momentan rund 280 Mrd. Euro Geldvermögen der Privaten 85 Mrd. Euro Privatschulden gegenüber. Den überwiegenden Teil ihres Vermögens (155 Mrd. Euro) halten die Österreicher in Bargeld und bei inländischen Banken, wobei aber schon knapp 16 Prozent des Geldes in kapitalmarktorientierten Anlageformen (Aktien, Investmentfonds) stecken und auch das Versicherungssparen auf dem Vormarsch ist.

Weniger Sparbücher

Derzeit machen zwar wieder 37 Prozent der Neuveranlagungen Bargeld aus oder fließen in Sparbuchprodukte. Mittelfristig sieht die Notenbank aber weiter einen Trend zu komplexeren Anlageprodukten. Für inländische Banken bedeute das, so die Nationalbank, dass nur 20 Prozent des neu Ersparten im Primärgeschäft (Sparbücher und Konten) veranlagt wird. Zwei Drittel werden in Versicherungs- und Fondsprodukte investiert.

Beim traditionellen Symbol des Weltspartags, dem Sparbuch, scheint die Zeit der hohen Zuwächse vorüber zu sein: 2001 gingen die Einlagen um 1,14 Mrd. Euro auf 123,7 Mrd. Euro zurück, die Zahl der Bücheln sank um 100.000 auf 23,6 Millionen. Der durchschnittliche Einlagenstand liegt auf unter 20.000 Euro. Für ein Drittel der heimischen Haushalte ist das Sparbuch aber noch die brauchbarste form der Liquiditätsreserve.

Kinder sammeln brav

Als "bemerkenswert" kommentiert der Sparkassenverband die Erziehung zum Sparen bei Kindern und Jugendlichen: Einer jüngsten Erhebung zufolge landet durchschnittlich die Hälfte des Taschengeldes im Sparschwein, 85 Prozent aller Kinder haben ein Sparbuch.

Während - aufgrund der Konjunktur - größere Zurückhaltung bei der privaten Kreditaufnahme bei den Banken registriert wird (siehe Grafik), ist der Boom beim Bausparen ungebrochen: Laut Raiffeisen Bausparkasse wird heuer erneut ein Rekord im Neugeschäft (rund sechs Prozent) zusätzlich zu den bereits bestehenden sechs Mio. Bausparverträgen erwartet. Mit fast 60 Prozent sehen die Österreicher den "Bausparer" derzeit laut Fessel+Gfk noch immer als "attraktivste" Sparform, gefolgt von der Lebensversicherung, dem Sparbuch und dem Haus-/Grundstückserwerb. Demnach sehen 20 Prozent Investmentfonds als "lohnend". (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 30.10.2002)

  • Wenig Futter für das Sparschwein: Das Erhalten des Lebensstandards ist den Österreichern wichtiger.
    foto: photodisc

    Wenig Futter für das Sparschwein: Das Erhalten des Lebensstandards ist den Österreichern wichtiger.

Share if you care.