Nobelmarken boomen gegen den Trend

30. Oktober 2002, 10:59
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Obwohl in Europa der Gesamtmarkt schrumpft, legen Mercedes, Audi und BMW weiter zu

Wien - Genugtuung und Niedergeschlagenheit liegen in der europäischen Autoindustrie derzeit dicht nebeneinander: Während viele Massenproduzenten über schwache Nachfrage und untreue Stammkunden klagen, warten Oberklasse-Marken, vor allem die deutschen, mit konstanten Zuwachsraten auf: "Europäische Kunden kaufen Premium", bringt die Investmentbank WestLB Panmure in einem soeben erschienenen Analystenbericht die europäische Entwicklung auf den Punkt. Mercedes, Audi und BMW haben in den vergangenen drei Jahren ihren Marktanteil in Westeuropa von knapp 11 auf rund 14 Prozent steigern können. Sie halten mittlerweile 40 Prozent am weltweiten Premiummarkt.

Der Trend geht trotz flauer Auto-Konjunktur vorerst weiter: In den ersten neun Monaten 2002 ist europäische Gesamtmarkt um 3,7 Prozent geschrumpft, die VW-Premiummarke Audi konnte dagegen um 3,3 Prozent, Mercedes-Benz um 1,7 und BMW um 1,8 Prozent mehr Autos verkaufen. Auch auf dem wichtigsten Auslandsmarkt, in den USA, sind diese drei deutschen Marken, aber auch der wesentlich kleinere Sportwagenbauer Porsche schneller unterwegs als die Konkurrenz.

Markenbewusstsein wichtiger geworden

"Der Premiummarkt wächst, weil mehr Konsumenten in höhere Einkommensklassen kommen, das Markenbewusstsein ist bei der Wahl des Autos wichtiger geworden", erläutert Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Meiner Ansicht nach wird dieser Trend in Zukunft eher noch stärker werden."

Nicht alle Anbieter können vom geänderten Konsumentenverhalten profitieren - negatives Paradebeispiel ist Lancia, Tochter des angeschlagenen italienischen Autokonzerns Fiat. In den vergangenen beiden Quartalen hat Lancia in Westeuropa um jeweils rund ein Drittel weniger Autos losgeschlagen als 2001. Aber auch Cadillac, Lincoln & Co. haben schon einmal bessere Zeiten erlebt. "Die Amerikaner machen Standardprodukte, bei denen die Gefahr besteht, dass der Markenkern verloren geht", analysiert Dudenhöffer. So müssten die Marken der Ford-Luxusgruppe PAG "aufpassen, dass sie nicht zu austauschbar werden".

Deutsche "produkt- und innovationsgetrieben"

Im Unterschied dazu sei die Strategie der Deutschen "produkt- und innovationsgetrieben". Ob es nun zusätzliche Sicherheitsfeatures sind, Innovationen im Design (Doppelscheinwerfer/Mercedes-E) oder revolutionäre Veränderungen bei der Steuerung (BMW-"iDrive") - die deutschen Produzenten "arbeiten am Produkt konsequent weiter", lobt Dudenhöffer. Eine ähnliche Strategie fahre Toyota auf dem amerikanischen Markt mit seinem Lexus - mit ebenfalls gutem Erfolg.

Dass freilich auch auch bei den so genannten Luxusmarken das tägliche Brot nicht von "futuristischen" Autos wie dem neuen 7-er kommt, zeigt das Beispiel BMW: Der bayerische Konzern hat heuer um beinahe 20 Prozent mehr Autos verkaufen können - hauptsächlich weil sich der neue Mini prächtig verkauft. Dazu kommt der weiter anhaltende Erfolg des 3ers, der 60 Prozent aller weltweit verkauften BMW stellt: Von der 1998 angelaufenen Modellreihe sind heuer auf dem westeuropäischen Markt um immerhin 5 Prozent mehr verkauft worden als in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres.(APA)

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