Interfax zieht Bericht über 45 erschossene Geiseln zurück

29. Oktober 2002, 11:02
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Agentur hatte tote Rebellen mitgezählt: Nur zwei Geiseln wurden erschossen

Moskau - Die russische Nachrichtenagentur Interfax hat ihren Bericht über die Erschießung von insgesamt 45 der 117 in Moskau gestorbenen Geiseln am Dienstag zurückgezogen. Kurz zuvor hatte die Agentur Staatsanwalt Michail Awdjukow mit entsprechenden Angaben zitiert.

Zuvor hatte Interfax Awdjukow mit den Worten zitiert, es müsse noch geklärt werden, ob die Kugeln jeweils aus den Waffen der Terroristen oder der Sondertruppe Alpha des Inlandsgeheimdienstes FSB stammten. Die Zahl der Erschossenen schließe keine Geiselnehmer ein, so Awdjukow. Bei den durch Schusswunden Getöteten handle es sich um 43 Geiseln und um einen Mann, dessen Identität bisher nicht feststehe.

In einer korrigierten Fassung der Interfax-Meldung wurde der Moskauer Staatsanwalt Michail Awdjukow mit der Aussage zitiert, diese Zahl der durch Schüsse Getöteten umfasse die getöteten tschetschenischen Terroristen, zwei Geiseln und zwei weitere Opfer. Die Moskauer Gesundheitsbehörden hatten die ursprüngliche Interfax-Meldung zuvor als ungenau zurückgewiesen. Wie bereits bisher mitgeteilt, seien nur zwei Geiseln durch Schüsse ums Leben gekommen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Die russischen Behörden stehen wegen ihrer Verschleierungspolitik seit dem Ende des Geiseldramas in dem Moskauer Musical-Theater unter Kritik.

In der ursprünglichen Eilmeldung hatte Interfax Awdjukow eindeutig mit den Worten zitiert, 45 der 117 getöteten Geiseln seien an Schussverletzungen gestorben. Unterstützt wurde dies durch ein wörtliches Zitat des Staatsanwaltes: "In dieser Zahl sind 43 Geiseln enthalten, die Moskauerin Olga Romanowa, die bei dem Versuch, in das Theater an der Dubrowka zu gelangen, von den Terroristen erschossen worden war, und ein Mann, dessen Identität bislang nicht festgestellt wurde und der auf eine mögliche Verbindung mit den Terroristen überprüft wird."

Experten müssten noch feststellen, aus welchen Waffen die Opfer erschossen worden seien, von denen der Terroristen oder denen der Spezialeinheiten, sagte Awdjukow nach den ursprünglichen Fassung. Dieser Passus fehlte in der geänderten Interfax-Version. Ärzte hatten am Sonntagabend offiziell mitgeteilt, 115 der 117 toten Geiseln seien an dem bei der Erstürmung eingesetzten Gas gestorben.(APA/dpa/AP)

  • Artikelbild
    foto: epa/yuri kadobnov
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