IWF-Chef Köhler sieht "historische Chance" in Lulas Sieg

29. Oktober 2002, 06:38
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Wall-Street-Analysten fordern von Wahlsieger "klare Zeichen"

Washington/New York - Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, hat den Sieg des Linkspolitikers Luis Inacio da Silva bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien als "historische Chance" gewürdigt. "Das eindeutige Wahlergebnis gibt dem designierten Präsidenten die historische Chance, auf die wirtschaftlichen und sozialen Hoffnungen der Brasilianer eine Antwort zu finden", schrieb Köhler am Montag in einem Glückwunschbrief an "Lula".

Der IWF-Chef will sich nach eigenen Angaben so bald wie möglich mit Lula treffen, um über die Umsetzung der drastischen Auflagen zu beraten, die der IWF an die Vergabe eines Kredits von 30,4 Milliarden Dollar (31,2 Mrd. Euro) im September an Brasilien geknüpft hatte. Köhler sicherte Lula die Unterstützung des IWF bei der Bekämpfung der brasilianischen Wirtschafts- und Finanzkrise zu.

US-Präsident George W. Bush gratulierte Lula zu seinem Wahlerfolg und äußerte die Hoffnung, dass Brasilien zu einer "wirksamen Regierung" kommen werde. Außerdem setze Bush bei der Stärkung des Freihandels auf dem Kontinent auf Lula, sagte sein Sprecher Ari Fleischer in Denver. Auch Spaniens Ministerpräsident JosE Maria Aznar und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi gratulierten dem Sieger der Präsidentschaftswahl.

Die Finanzexperten an der New Yorker Wall Street forderten den früheren Arbeiterführer Lula auf, sich rasch das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte zu erwerben. "Lula muss schnell ein klares Zeichen geben, wie er die notwendigen Strukturreformen zur Verbesserung der Wirtschaftslage angehen will", sagte der Direktor für Schwellenländer bei der Investmentbank Goldman Sachs, Paulo Leme. Vertreter der Großbank Morgan Stanley appellierten an Lula, schnellstmöglich den neuen Gouverneur für die Zentralbank bekannt zu geben. (APA)

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