Forscher fanden neues Schizophrenie-Gen

29. Oktober 2002, 20:18
posten

Gen könnte auch in Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Erkrankungen stehen

Jerusalem - Israelische Wissenschafter wollen ein weiteres Gen gefunden haben, das für Schizophrenie verantwortlich ist. Das American Journal of Human Genetics veröffentlichte einen Bericht über die Studie eines Biotechnologieunternehmens, dem die Identifizierung des Gens mit dem sperrigen Namen "Catechol-O-Methyltransferase" (COMT) gelungen sei. Studienleiter Ariel Darvasi vom Institut für Life Sciences der Hebrew University in Jerusalem erklärte, das isolierte Gen sei wahrscheinlich für weit mehr als 20 Prozent aller Schizophrenie-Erkrankungen verantwortlich.

Das Gen ist bereits das dritte, das bisher von Wissenschaftern mit Schizophrenie in Verbindung gebracht wurde, insgesamt soll es fünf bis zehn solcher Gene geben. COMT steuert unter anderem den Haushalt der Nervenbotenstoffe Dopamin, Serotonin und Adrenalin - die allesamt auch für Gefühlsstimmungen verantwortlich sind, bei der Entstehung von Depression ein Rolle spielen. Weshalb die Forscher vermuten, dass das nun isolierte Gen auch mit weiteren psychiatrischen Erkrankungen in Zusammenhang steht, einen breiten Ansatz für künftige Therapieformen bieten könnte.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden 24 Millionen Menschen weltweit an der Krankheit, in Österreich sind etwa 70.000 betroffen. Schizophrenie hat laut dem Innsbrucker Neurologen und Psychiater Wolfgang Fleischhacker "nichts mit einem fälschlich vermuteten Doktor-Jekyll-und-Mister-Hyde-Syndrom zu tun". Es ist eine Psychose, die durch ein Nebeneinander von gesunden und veränderten Erlebens-und Verhaltensweisen gekennzeichnet ist - ein Defekt der Wahrnehmungsfilter im Gehirn. Die Patienten sind nicht imstande, aus den Tausenden Informationen, die ständig auf sie einwirken, unwichtige herauszufiltern, zu ignorieren. Koordinierte Gedankenflüsse sind kaum möglich, Angstgefühle entstehen.

Bei paranoiden Schizophrenen kommen noch Wahnvorstellungen hinzu. Diese Patienten fühlen sich oft verfolgt und bedroht, hören Stimmen und andere Geräusche, meiden den sozialen Kontakt. Oft kombiniert mit einem pedantischen Genauigkeitswahn.

Die Krankheit, die meist zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr auftritt, ist medikamentös relativ gut behandelbar. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 10. 2002)

Share if you care.