Frau sucht sich selbst

7. April 2003, 22:00
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"Überall in der Badewanne wo nicht Wasser ist" im Schauspielhaus Graz

Der mit der Krankenhaussoap "LKH" zu Nestroypreis-Ehren gekommene Regisseur Helmut Köpping vom Theater im Bahnhof (Tib) inszenierte für die Schauspielhaus-Spielstätte ebene 3 Gesine Danckwarts "Überall in der Badewanne wo nicht Wasser ist". Der künstlerische Leiter des Tib geht den "Monolog für eine schnellsprechende Schauspielerin" geduldig an, er legt einen ruhigen Ring um das fahrige Geplätscher weiblicher Identitätssuche. Eine Handtasche mit üblichem Wühlinhalt und etliche Gläser Wasser genügen als Requisiten an der sonst unveränderten Theke des ehemaligen Rauchsalons.

Es ist der Körper der Frau, der, auf Einzelteile reduziert, der Beschreibung und mancherlei Zuschreibung standhalten muss. Die Haare - blond, braun oder rot? - werden zur Metapher für imaginierte Weiblichkeit. Das ist nicht neu. Aber durchaus spannend gestaltet sich Danckwarts unablässig rieselnder Wechsel der Perspektive, und mit der enorm lebendigen Ninja Reichert sieht Graz einen neuen Stern aufgehen!

Wie um sich selbst zu halten, hangelt sich die Sprecherin am roten Faden ihrer Ichsuche entlang, geht durch Erinnerungen, Gefühle, Selbstversuche und -versicherungen. Köpping inszeniert den Monolog als Drahtseilakt ohne Netz: virtuos die Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin, schillernd die Sprache und abgrundtief die Kälte, in die sie fällt. (frak/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2002)

Schauspielhaus/ ebene 3
8010 Graz
0316/80 01
  • Ninja Reichert
    foto: schauspielhaus/peter manninger

    Ninja Reichert

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