Bildung: Universitäten und Schulen neu

29. Oktober 2002, 09:32
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Rot-Grün möchte die Studiengebühren abschaffen und wünscht sich gemeinsamen Unterricht der 10- bis 14-Jährigen. Schwarz-Blau setzt auf Qualitätskontrolle

Die Universitäten lagen diese Legislaturperiode im Dauerclinch mit Ministerin Elisabeth Gehrer. Und das waren die Reformeckpunkte: Die Lehrenden bekamen ein heftig bekämpftes, neues Dienstrecht, das den universitären Arbeitsplatz weniger sicher machte; überraschend wurden Studiengebühren eingeführt; die hohen Schulen sind künftig unabhängiger vom Ministerium, dafür aber hierarchischer gegliedert, der Mittelbau hat kaum mehr Mitspracherecht; aus den medizinischen Fakultäten werden Universitäten.

SPÖ und Grüne versprechen nun, die Gebühren wieder rückgängig zu machen. Gleichzeitig werden die Universitäten aber nicht müde zu behaupten, dass die Zahl der tatsächlich anwesenden Studenten trotz gesunkener Inskriptionszahlen gleich geblieben sei. Die Wiener Wirtschaftsuni wurde heuer geradezu gestürmt. Andere - etwa technische Fächer - haben sinkende Studentenzahlen.

Laut Rektorenchef Georg Winckler hat sich der Druck der KundInnen - sprich Studierenden - erhöht, für ihr Geld ein ordentliches Angebot zu erhalten. Ab 2004 sollen die Gebühren an die jeweilige Uni fließen: Allein für das WU-Budget würde dies 14 Millionen Euro mehr bedeuten - Geld, auf das man voraussichtlich ungern verzichtet.

Rot-Grün äußert auch Skepsis an der Universitätsorganisationsreform. Die SPÖ will das Gesetz, dessen Umsetzung bereits begonnen hat, beim Verfassungsgerichtshof anfechten. Den zahlreichen Uni-Reformen der letzten Jahre könnte unter Rot-Grün somit eine weitere folgen.

Rohrstaberl-Warnung

Im Schulbereich sorgten die "Verhaltensvereinbarungen" im Frühjahr 2001 für Aufregung. Teile der SPÖ sahen das "Rohrstaberl" tanzen. Auch bei den LehrerInnen führten dienstrechtliche Änderungen zu Protesten. An einigen Schulen (vor allem in Wien) kam es im vergangenen Unterrichtsjahr zum Boykott mehrtägiger Lehrveranstaltungen.

Parallel dazu bildete sich eine "Unabhängige Bildungsgewerkschaft", die die (schwarzen) LehrervertreterInnen attackierte und in Vorarlberg besonders aktiv ist. Im Ländle nehmen viele PädagogInnen zumindest vorübergehend einen Job in der Schweiz an, die höhere LehrerInnengehälter zahlt. Allerdings verspricht die Regierung seit geraumer Zeit höhere Einstiegsgehälter, Schwarz-Blau will dies zu Beginn der nächsten Legislaturperiode umsetzen. Zuständig dafür ist das Beamtenressort, derzeit bei Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die gelegentlich die Lehrerpragmatisierung in Zweifel zog.

Stecken geblieben ist die AHS-Oberstufenreform. Sie liegt als "Verordnung" in Begutachtung. Allerdings wäre es ohnehin eher nur ein "Reförmchen" geworden. Ein Kurssystem ab der siebten Klasse, wie es etwa die SPÖ gefordert hatte, wurde vom Bildungsressort abgelehnt. Auch die FPÖ hätte gern eine weiter gehende Oberstufenreform - unter weit gehender Auflösung des Fächerkanons.

Als einlullend für schulpolitische Debatten haben sich die Ergebnisse der Pisa-Studie (OECD-Bildungsvergleich zum Thema Lesen) erwiesen, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurden. Österreich lag über dem Durchschnitt und vor allem vor Deutschland. Dass Pisa-Sieger Finnland ein Gesamtschulsystem hat, heizte aber die "Mittelstufen"-Debatte wieder an. Rot und Grün sind dafür, Schwarz und Blau strikt dagegen.

Wenig verändert hat sich auch für die Freien Schulen. Sie wünschen sich seit langem eine öffentliche Finanzierung, wie sie die konfessionellen Schulen genießen.

Die Bildungsministerin setzte zuletzt auf "Standards" und Qualitätskontrolle: Die Schulen sollen sich künftig selbst evaluieren können. Das wünscht sich auch die FPÖ. (Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe 29.10.2002)

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