"Nur zwei Prozent der Österreicher haben nie Kopfschmerz"

28. Oktober 2002, 19:49
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800.000 leiden sogar unter Migräne - neues Nasenspray könnte Abhilfe verschaffen

Wien - Etwa die Hälfte der Österreicher leidet mehrmals jährlich an Kopfschmerzen. 800.000 Personen haben regelmäßig Migräne. Doch nur die wenigsten werden adäquat behandelt. Dies erklärten Experten am Montag bei einem Pressegespräch in Wien.

Umfrage-Ergebnisse

Dr. Christian Lampl, Leiter der Schmerzklinik am AKH Linz, hat die erste repräsentative Umfrage in Österreich zu der Verbreitung von Kopfschmerz und Migräne durchgeführt. Der Neurologe und Psychiater: "Nur zwei Prozent der Österreicher haben nie Kopfschmerz. Uns ging es besonders um den primären Kopfschmerz: Migräne, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz und gewisse Gesichtsnerven-Schmerzen (Trigeminus -Neuralgien, Anm.). 50 Prozent der Österreicher leiden an solchen Beschwerden."

Am häufigsten von solchen Symptomen betroffen sind laut Studie die Wiener mit 59,7 Prozent, am seltensten die Menschen in Kärnten und der Steiermark mit 39,8 Prozent. Unter die genannten "primären Kopfschmerzen" werden solche Beschwerden als Folge anderer Krankheiten bzw. Umstände nicht eingerechnet: "Kater", Kopfschmerzen in Folge von Verkühlungen etc.

Pochende Migräne

Häufig ist auch die Migräne: zumeist halbseitig auftretende, pochende Schmerzen, die sich mit mehr körperlicher Belastung verstärken. Hinzu kommen oft Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Manche Patienten spüren schon vor dem Auftreten der Symptome das Heraufdämmern eines Anfalls.

Lampl: "In Österreich sind 10,2 Prozent der Menschen von Migräne betroffen. Wir haben insgesamt 800.000 Migräniker. 486.000 davon gehören zur arbeitenden Bevölkerung."

28 Prozent der Migräne-Kranken sind Männer, 72 Prozent Frauen. Fast die Hälfte der Patienten erleidet ein Mal im Monat eine solche Attacke.

Neue Abhilfe?

Zugleich präsentierten Wissenschafter bei einem Pressegespräch im Austria Center Vienna im Rahmen des europäischen Neurologenkongresses ein so genanntes Triptan-Medikament, das schnell und ohne notwendige Injektion seinen Effekt entfaltet. Die Substanz Zolmitriptan zum "Schnupfen".

"Klinische Untersuchungen sprechen dafür, dass diese Art der Anwendung den Patienten einen signifikanten Vorteil in der Behandlung ihrer Migräne bietet. Das Medikament wird über die Nasenschleimhaut absorbiert und kann dann auch schnell im Blut entdeckt werden. Das bedeutete, dass die Patienten die Linderung ihrer Symptome schon ab 15 Minuten nach der Einnahme verspüren. Was sich in den klinischen Studien ergeben hat, scheint auch für die tägliche Praxis zu gelten", erklärte Univ.-Prof. Dr. Carl Dahlöf von der Migräne-Klinik in Göteborg in Schweden.

Das Mittel

Der Wirkstoff des Zolmitriptan-Nasensprays gehört zu den Triptanen. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass bereits zehn Minuten nach der Anwendung 38 Prozent der maximal erreichbaren Blutkonzentration des Wirkstoffes erreicht werden. Bei der Behandlung akuter Migräne-Attacken kommt es immer auf schnelles Reagieren an, weil Abwarten bzw. ein zu langsam einsetzender Effekt der verwendeten Medikamente die Betroffenen nur umso mehr in einen Anfall abgleiten lässt.

In der so genannten ZINC I-Studie mit 1.372 Patienten als Teilnehmer wurde der Effekt des Sprays mit jenem der Tabletten verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass der Spray bereits ab 15 Minuten nach der Anwendung zu wirken begann. Bei 70 Prozent der Behandelten wurde nach zwei Stunden eine gute Wirkung erzielt. Eine Dosis von fünf Milligramm Zolmitriptan war signifikant besser wirksam als 2,5 Milligramm des Wirkstoffs in Tablettenform. Das Spray - es ist bereits in Schweden auf dem Markt - soll in den kommenden Monaten in den verschiedenen Ländern der EU erhältlich werden. (APA)

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    Auch Akupunktur wird traditionell gegen Migräne eingesetzt

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