Erster Schritt zum Neubeginn

28. Oktober 2002, 19:19
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Jüdisches Museum Hohenems mit neuen Strukturen

Hohenems - Das Jüdische Museum Hohenems wird umstrukturiert. Gestern, Montag, präsentierten Museum, Stadt und Land gemeinsam die Neuorganisation. Klare Strukturen und Kompetenzverteilung sollen nach zehnjährigem Betrieb die Eigenständigkeit des Museums gewährleisten, Dreijahresverträge mit den Subventionsgebern die Existenz sichern. Die Vermengung operativer und strategischer Aufgaben von Stadt, Museumsleitung und Trägerverein hatte in der Vergangenheit zu Personal- und Programmdiskussionen geführt, die in der umstrittenen Kündigung des Museumsleiters gipfelten.

Künftig liegt die Personalhoheit bei der Museumsleitung, die ökonomische und organisatorische Verantwortung beim Trägerverein. An der Programmgestaltung wird ein internationaler Beirat, dessen Besetzung Anfang nächsten Jahres feststehen soll, mitwirken. Die Politik wird sich künftig aus der Programmgestaltung heraushalten, versprachen Kulturlandesrat Hans-Peter Bischof und Bürgermeister Christian Niederstetter, beide ÖVP.

Der Förderverein wird "die Erinnerung an die Verdienste der jüdischen Gemeinde aufrecht erhalten", skizzierte Eva Häfele einen Teil der künftigen Vereinsarbeit, die sich auf Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederbetreuung konzentrieren wird.

Die jüdische Landgemeinde existierte von 1617 bis zu ihrer 1938 von den Nationalsozialisten erzwungenen Auflösung. Diesem Ende der Gemeinde und der Verantwortung der (lokalen) Täter werde in der Arbeit des Museums zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, lautet eine immer stärker werdende Kritik. Dieser Kritik will sich das Museum durch die Neugestaltung der Dauerausstellung (ab März 2003) und Veranstaltungen stellen.

Thema Migration

Museumsleiter Johannes Inama: "Wir werden eine klarere, eindeutigere Position als Erinnerungsträger einbringen." Auch aktuellen Themen wie der Migration will sich das Jüdische Museum künftig widmen. Eine Projektreihe wird sich mit dem Leben der zahlreichen türkischen Migranten, die sich im jüdischen Viertel angesiedelt haben, auseinander setzen. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 10. 2002)

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