Gewerkschaft will keine Saisoniers

28. Oktober 2002, 18:58
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Kaske: "Kontingent soll schrittweise auf null reduziert werden"

Wien - Die Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) verlangt eine Richtungsänderung bei der Rekrutierung von Arbeitskräften im Tourismus. Angesichts 30.000 arbeitslos gemeldeter Köche und Kellnerinnen sei der Zuzug von Saisoniers aus Zentral- und Osteuropa sofort zu stoppen, sagte HGPD-Chef Rudolf Kaske am Montag. In den nächsten sechs bis acht Jahren sollte das Saisonierkontingent dann schrittweise auf null reduziert werden.

Vor allem aus den Tourismushochburgen Westösterreichs sind vor Beginn der Wintersaison Rufe nach Erhöhung des Saisonierkontingents laut geworden. Im vergangenen Winter hat der zuständige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ein Kontingent von 8780 Saisoniers genehmigt, im heurigen Sommer waren es 6845. Im Winter hat sich somit die Zahl der in österreichischen Tourismusbetrieben beschäftigten Saisoniers seit 1998 vervierfacht, in der Sommersaison mehr als versechsfacht.

Lohndumping

Der Gewerkschaft stößt sauer auf, dass mit den Saisonarbeitern Lohndumping betrieben wird. Kaske: "Die Mehrheit arbeitet zum Mindest-KV." Nach Ansicht des Gewerkschafters ist das Saisoniermodell "ein Auslaufmodell". In absehbarer Zeit würde sich das Lohnniveau in Slowenien, Ungarn oder Tschechien dem österreichischen annähern, dann würde die "Saisonierquelle" versiegen. Außerdem hätten die EU-Beitrittsländer ein hohes Interesse, ihre eigene Tourismuswirtschaft auf Vordermann zu bringen. "Dann wird niemand mehr nach Österreich kommen, um hier unter zum Teil sehr schlechten Bedingungen zu arbeiten", so Kaske.

Sorgen, die Tourismusbetriebe könnten nicht genug Mitarbeiter finden, hat Kaske nicht. "Wenn Geld und Arbeitszeiten stimmen, werden sie auch kein Problem haben, Leute einzustellen." (stro, DER STANDARD, Printausgabe 29.10.2002)

Kommentar

Gewerkschaftslogik
Von Günther Strobl

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