FPÖ schickt Haupt nach vorn

30. Oktober 2002, 17:12
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Der erkrankte Mathias Reichhold fällt für den Wahlkampf weiter aus, seine Partei muss improvisieren ...

Wien/Klagenfurt - Striktes Besuchs- und Telefonverbot, absolute Bettruhe: FPÖ-Obmann Mathias Reichhold wird hermetisch abgeschirmt. Wie schwer er tatsächlich erkrankt ist, weiß selbst FP-Klubchef Karl Schweitzer nicht. "Wir werden es bald wissen, ob er weitermachen kann." Mathias Reichhold wolle zwar " unbedingt weitermachen, doch wie lange er in der Intensivphase des Wahlkampfes ausfallen wird, ist noch völlig unklar", sagt auch Reichholds Sprecher Robert Pichler. Reichholds behandelnder Arzt, Primarius Georg Lexer, sah am Mittwoch "keine Anzeichen für eine ernste Situation". Sein prominenter Patient brauche "einfach nur Ruhe".

Ob Reichhold womöglich mit der Position als FPÖ-Frontmann überfordert sei? Schweitzer zum STANDARD: "Ich werde mich hüten, irgendwelche Spekulationen oder Ferndiagnosen abzugeben. Ich bin einfach betroffen, dass es dem Mathias so schlecht geht."

Parteiintern hat man sich freilich längst auf ein Szenario ohne Reichhold eingestellt. Was Klubchef Schweitzer nicht bestätigt, aber dennoch heftig in der FPÖ kolportiert wird: Reichhold wird bis zum Wahltag höchstwahrscheinlich nur im Schongang als Frontmann in den Wahlkampf zurückkehren. Die TV-Duelle dürfte bis auf weiteres Sozialminister Herbert Haupt übernehmen, der bis zur eventuellen Rückkehr Reichholds den starken Mann in der FPÖ mimen wird.

Unterdessen laufen in der FPÖ heftige Debatten über das künftige Verhältnis zum Noch-Regierungspartner ÖVP. Jörg Haider griff Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der Ilustrierten News scharf an. Schüssel habe die FPÖ "gelegt", er werde seinen Parteifreunden dringend abraten, mit der ÖVP unter Schüssel noch einmal eine Koalition einzugehen. Klubchef Schweitzer unterstützt Haiders Attacke: "Haider hat mit seiner Kritik an Schüssel völlig Recht. Der Kanzler hat es nicht für notwendig erachtet, seinen Vertragspartner vom Bruch der Koalition zu informieren." Nicht ernst nehmen will Schweitzer aber den Rat Haiders, nicht mehr mit der ÖVP unter Schüssel zu koalieren. Auch Vizeparteichef Thomas Prinzhorn geht auf Distanz: "Zuerst wird gewählt und dann verhandelt. Wir grenzen niemanden aus." Einig ist sich Prinzhorn mit Haider aber ebenfalls in der Kritik an Bundeskanzler Schüssel. Prinzhorn zum STANDARD: "Der Bundeskanzler hat die Neuwahlen provoziert, weil er sich taktisch gute Chancen ausgerechnet hat." Schüssels Rolle beim Koalitionsbruch werde die FPÖ noch thematisieren.

Neustart nach der Wahl

Die Hoffnungen führender Funktionäre, dass der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider die Partei wieder übernimmt, haben sich mittlerweile zerstreut. Haider wurde von seinen Vertrauten aber erfolgreich bekniet, den "Scherbenhaufen" jetzt nicht mehr anzugreifen, sondern erst nach der Wahl einen Neustart einzuleiten. Haider bekräftigte am Mittwoch, dass er die FPÖ nach einer Wahlniederlage mit einer Gruppe von "Getreuen" wieder übernehmen wolle. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10.2002)

FPÖ-Chef Mathias Reichhold fällt für den Wahlkampf weiter aus, seine Partei muss improvisieren und schickt vorerst Sozialminister Herbert Haupt ins Rennen. Unterdessen drängt Jörg Haider seine Partei, mit der ÖVP unter Wolfgang Schüssel nicht mehr zu koalieren. Er will nach der Wahl zurück an die Parteispitze.
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