"Beim ersten Fehler Saddams wird George Bush zuschlagen"

28. Oktober 2002, 17:27
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Irakischer Oppositioneller im STANDARD-Gespräch: Krieg ist beschlossene Sache

Wien - "Die Entscheidung ist gefallen, nur der Zeitplan ist noch offen", ist der irakische Oppositionelle Muwaffaq Fattohi überzeugt: US-Präsident George Bush werde auch gegen den Irak vorgehen, wenn er - wider Erwarten - kein UNO-Mandat bekomme. Und falls nach einer Einigung im UNO-Sicherheitsrat die Waffeninspektoren wirklich wieder in den Irak zurückgehen würden - was zu erwarten sei -, werde "Bush wie ein Scharfschütze dasitzen und darauf passen, dass Saddam Hussein einen Fehler macht: Dann wird er zuschlagen."

Fattohi ist Mitglied des Zentralrats des Irakischen Nationalkongresses (INC), einer Art Dachverband von oppositionellen irakischen Gruppen, er leitet das INC-Büro in Prag. Die US-Forderung nach Erfüllung aller Irak-Resolutionen - darunter Resolution 688, die die Menschenrechtsverletzungen im Irak anprangert - ist seiner Meinung nach nur durch einen Regimewechsel zu realisieren. "Wenn Saddam Hussein eine Resolution erfüllt, werden die USA mit einer anderen daherkommen, sie haben genug Karten in der Hand", meint Fattohi. Den alten Fehler, ihn an der Macht zu lassen, würden sie nicht noch einmal begehen.

Ob die Generalamnestie von voriger Woche im Irak bereits ein Versuch Saddams sei, Resolution 688 zu erfüllen? Erstens halte der INC nichts davon, Diebe und Mörder einfach so freizulassen, sagt Fattohi (diese Meinung hört man übrigens durchaus auch aus Bagdad). Zweitens bleibe das System das alte, die so genannte Geste sei also sinnlos: typisch für einen "primitiven Diktator", der "am Morgen das tut, wovon er in der Nacht geträumt hat".

Dem INC wäre ein friedlicher Regimewechsel im Irak ohne Leiden für die irakische Bevölkerung und ohne Zerstörungen viel lieber, aber wenn es nun einen Krieg gibt, wollen sie mitreden: Man wünsche sich einen demokratischen rechtsstaatlichen Irak mit einem - das verlangen die Kurden - föderalistischen System. Der Irak könnte ein Modell für die ganze Region werden. Davor dass die USA dem Irak eine Regierung `a la Karsai in Afghanistan verordnen, hat Fattohi keine Angst: "Wieso Karsai, wieso nicht Adenauer? Und was stimmt eigentlich mit Karsai nicht?"

Der Tatsache, dass nicht nur Saddam Hussein und seine erweiterte Familie wegmuss, sondern ein ganzes kompliziertes System mit ineinander verwobenen Organisationen und Institutionen, ist sich die irakische Opposition natürlich bewusst: Man werde die Beteiligten alle - es handelt sich um Zehntausende Menschen - nach Hause schicken. Gerichtlich verfolgt sollen nur solche Iraker werden, die sich während der Saddam-Zeit individueller Verbrechen schuldig gemacht haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2002)

Der Krieg gegen den Irak sei beschlossene Sache, meint Muwaffaq Fattohi, Zentralratsmitglied des oppositionellen Irakischen Nationalkongresses (INC) im Gespräch mit Gudrun Harrer.
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