"Raus aus Kampfgeschäften"

28. Oktober 2002, 20:23
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Auch österreichische Importtochter muss sparen - Mitwagengeschäft wird zurückgeschraubt - Personalabbau angekündigt

Wien - Die heimischen Fiat- Händler sind wegen der Nachrichten aus Italien - 8100 Jobs werden abgebaut, zwei Autowerke geschlossen - extrem verunsichert, sagte der Geschäftsführer der Wiener Importniederlassung des Turiner Konzerns, Stephan Winkelmann, im STANDARD-Gespräch. Vor allem, weil Kunden zu fragen beginnen: "Wie lange gibt es euch noch?"

Im Gegensatz zu anderen europäischen Märkten sei die Verkaufssituation in Österreich aber gar nicht so schlecht, sagte Winkelmann. Bis September lag der Neuzulassungsanteil der Marke Fiat bei vier Prozent (nach 4,3 im Vorjahr). Im Oktober sei die Zahl der Kundenabschlüsse aller drei Marken (Fiat, Alfa, Lancia) um 50 Prozent im Vergleich zum Oktober des Vorjahres angestiegen.

Trotzdem: Der Konzern müsse auch in Österreich sparen. Das hat vor allem zwei Konsequenzen, erklärte Winkelmann. Erstens werde man sich aus ertragsschwachen Geschäften raushalten und weniger auf die Stückzahlen schauen, die nur schönere Statistiken brächten. Daher haben sich Fiat und Alfa aus dem Verkauf an Mietwagenfirmen - "ein Kampfgeschäft" - um ein Drittel zurück genommen. Hier seien die von den Autovermietern verlangten Rabatte zu hoch gewesen. Die margenstärkeren Firmenflottengeschäfte hingegen werde man forcieren.

Zweitens: Ohne Personalabbau werde es auch in Österreich nicht gehen, sagte Winkelmann, genaue Zahlen nannte er aber nicht. Wenn Jobs verloren gehen, dann im "Back-Office". Fiat Österreich hat knapp 80 Beschäftigte. "Wir sind jetzt schon nicht mehr schlank, sondern ein Skelett", so der in Italien ausgebildete Deutsche, seit Mitte 2001 an der heimischen Fiat- Spitze. Eine Zusammenlegung des Vertriebs mit Opel Austria stehe - derzeit - nicht auf dem Programm. Die Konzerne General Motors (Opel) und Fiat Auto sind kapitalmäßig verschränkt und kooperieren in der Produktion.

Für ein weiteres Problem von Fiat, Alfa und Lancia in Österreich sei schon bald eine Lösung zu erwarten: Für den wichtigen Raum Wien Süd - die Bezirke Mödling, Liesing, Favoriten - steht man knapp vor dem Vertragsabschluss mit einem neuen Händler. Zuvor hatte die Autohandelsfirma Denzel den Vertrag.(Leo Szemeliker/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2002)

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    Die Fiat-Krise hinterlässt ihre Spuren auch in Österreich.

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