Projekte gegen geschlechtsspezifische Einkommensdiskrepanz

28. Oktober 2002, 15:52
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Die NÖ-Landesprojekte "Observatoria" und "MUT" sollen die Zwei-Drittel-Differenz der klaffenden Einkommensschere lösen

St.Pölten - Nur mit Hilfe eines guten Maßnahmen-Mix ließen sich die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern, entscheidend dabei sei der Gedanke der Prävention, am besten bereits in der Schule bei der Berufs- und Ausbildungswahl, sagte Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop heute in Wien bei der Präsentation von zwei Initiativen - "Observatoria" und "MUT" - zur nachhaltigen Verbesserung dieser Situation.

Zwei-Drittel-Differenz stabil

Die Einkommensunterschiede belaufen sich seit Jahren stabil auf etwa ein Drittel, so Prokop weiter, obwohl es ein positives Saldo bei den Frauenarbeitsplätzen und eine mit 70 Prozent im europäischen Spitzenfeld liegende NÖ Frauen-Erwerbsquote gebe. Als Gründe nannte die Landeshauptmannstellvertreterin die nach wie vor traditionell geprägte Berufswahl der Mädchen (rund drei Viertel wählen bloß fünf aus verfügbaren 270 Lehrberufen, mehr als die Hälfte wählt damit automatisch Berufe im unteren Einkommensbereich), die hohe Betriebstreue von Frauen und Mädchen, die geringere Mobilität der Frauen sowie die Doppelbelastung durch Familienarbeit.

"Observatoria"

Im Projekt "Observatoria" erarbeitet eine internationale Expertinnengruppe unter Koordination der Frauenberatungsstelle Hollabrunn Vorschläge für wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Lohnungleichheit unter spezifischen regionalen Gegebenheiten. Als erstes Ergebnis wurde ein Fragebogen für Unternehmen entwickelt, der in bezug auf versteckte Diskriminierung in Aus- und Weiterbildung bzw. Karriereplanung sensibilisieren soll.

"MUT - Mädchen und Technik"

"MUT - Mädchen und Technik" zielt in einem dreistufigen Verfahren von einer Potentialanalyse über "fliegende Beraterinnen" bis hin zu "Learning by Doing" in Workshops darauf ab, Mädchen neue Zukunftsberufsfelder im technisch-handwerklichen Bereich näher zu bringen. Diese von den Frauenreferaten der Bundesländer gemeinsam mit dem Ministerium getragene Initiative, in Niederösterreich koordiniert von "Sunwork", verfolgt eine ähnliche Stoßrichtung wie "Meine Zukunft ist OK" der NÖ Industriellenvereinigung. Diese niederösterreichische Initiative wird am "Internationalen Girlsday" am 24. April 2003 auf bundesweite Besuchstage ausgedehnt.

"Flying Nannies" und "Mobile Mammies"

Neben der präventiven Arbeit im Bereich der Berufswahl für Mädchen erinnerte Prokop auch an die zahlreichen Anstrengungen des Landes, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. einen gleichberechtigten Zugang zu Beruf und Karriere zu gewährleisten. Kein anderes Bundesland verfüge über eine derartige Fülle an Kinderbetreuungseinrichtungs-Angeboten, von den "Flying Nannies" über die "Mobilen Mammies" und die Familienhotline bis zu "Gender Now" und dem Regionalen Mentoringprogramm des NÖ Frauenreferates, so Prokop abschließend. (red)

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