Inode attackiert Telekom Austria

28. Oktober 2002, 14:34
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Ex-Monopolist verhindere Infrastrukturausbau - TA verzögert Entbündelung laut Inode um bis zu ein Jahr - Für Inode "bodenlose Frechheit"

Der österreichische Internetanbieter Inode übt schwere Kritik am Marktführer Telekom Austria (TA). Der Ex-Monopolist behindere massiv den Ausbau der Telekominfrastruktur in Österreich durch alternative Anbieter, kritisierten die Inode-Geschäftsführer Peter Augustin und Michael Gredenberg am Montag bei einer Pressekonferenz. Der alternative Internetbetreiber will gegen die TA nun vor Gericht ziehen.

Ziele

Die Kritik von Inode richtet sich vor allem auf den Bereich der Entbündelung. Dabei mieten sich alternative Anbieter im Wählamt der TA ein. Dort wird der Endkundenanschluss (Last Mile) statt ins Netz der TA auf jenes des Alternativen umgeleitet. Statt die Leitung von der TA mieten zu müssen, erhält der alternative Anbieter damit den direkten Zugang zum Endkunden und kann dadurch seine Angebote selbst gestalten. Derzeit sind laut Inode österreichweit allerdings erst 10.000 der insgesamt mehr als 3 Millionen Anschlüsse in Österreich entbündelt. "So hat sich die EU das nicht vorgestellt", meint Augustin.

Investitionshemmnis

Nicht der Regulator, sondern die Telekom Austria selbst sei "der große Blockierer von Investitionen", meinte Augustin in Hinblick auf jüngste Angriffe des TA-Technikvorstands Rudolf Fischer auf den scheidenden Telekom-Regulator Heinrich Otruba. Die Telekom Austria sehe es "offensichtlich nicht gerne, wenn Alternative ihr mit eigener Infrastruktur Konkurrenz machen". "Denen geht es nur ums Prinzip. Die wollen nur den alternativen Mitbewerb vernichten", meint Augustin. Neben Inode würde mittlerweile österreichweit nur noch die UTA Leitungen entbündeln. Nur auf Grund der Blockade-Politik der TA sei es so weit gekommen, so der Inode-Geschäftsführer.

Nicht eingehalten

Statt den vom Regulator vorgegeben 3 Monaten, die der TA zur Vorbereitung der Wählämter für die Entbündelung zugestanden würden, verzögere der Ex-Monopolist mitunter die Prozedur bis zu einem Jahr. Die Pönalzahlungen, die der TA dafür drohen, seien eine "zahnlose Sache".

Blockade

In den vergangenen Wochen habe sich die Situation noch verschärft. So blockiere die TA etwa Kollokationsflächen der CyberTron, die Ende Juni den Insolvenz angemeldet hatte. Inode sei sich mit Cybertron bereits handelseinig über die teilweise Übernahme der Entbündelungseinrichtungen. Die TA gebe die Flächen aber nicht frei.

Gerichtliche Schritte

Augustin spricht von einer "bodenlosen Frechheit. Das ist kein Business-Style, mit dem wir arbeiten wollen". Inode will deshalb nun zum Handelsgericht gehen. Auch beim neuen Telekom-Regulator Georg Serentschy will das Unternehmen intervenieren. Große Hoffnung setzt Inode-Chef Augustin in den Regulator aber nicht: "Das Thema lässt sich nicht auf dem Papier lösen. Wenn die TA nicht will, will sie nicht. Da nützt der beste Regulator nichts." (APA)

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