Ski nordisch: "Der Skandal ist programmiert"

30. Oktober 2002, 12:21
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ÖSV-Präsident Schröcksnadel kritisiert Organisation von Dopingkontrollen

Innsbruck - Eine Woche nach den Alpinen waren nun die Nordischen Sportler ÖSVler ihre Ziele für den vor der Tür stehenden Winter formuliert. Präsident Peter Schröcksnadel und die beiden Rennsportdirektoren Toni Innauer (Kombination/Sprunglauf) und Walter Mayer (Langlauf/Biathlon) skizzierten in der Höhe des Turmcafé der neuen Bergisel-Schanze die anvisierten Ziele. Die Weltmeisterschaften im Fleimstal bzw. in Sibirien (Chanty-Mansijsk, Biathlon) sind die natürlichen Höhepunkte. Schröcksnadel erwartet vier bis sechs Medaillen.

Unterschiedliche Ansprüche

Im Lager der Skispringer blickt man auf einen äußerst positiv verlaufenen Sommer zurück, ein erfolgreich absolvierter Sommer-Grand-Prix lässt hoffen: "Wir wollen dorthin, wo wir schon einmal waren, nämlich an die Spitze. Unser Ziel ist Platz eins in der Nationenwertung und zwei WM-Medaillen." Die Kombinierer, Österreichs "Mannschaft des Jahres", sollten neuerlich ein Erfolgsgarant sein. "Zwei Medaillen, mit etwas Glück vielleicht sogar mehr", so Innauer, der nach seiner Interims-Tätigkeit als Cheftrainer (jetzt der Finne Hannu Lepistö) wieder Rennsportdirektor ist.

Mayer hingegen stapelte tief: "Wir sind eine Ski-Nation, keine Langlauf-Nation." Zumindest für die Topleuten Michail Botwinow und Christian Hoffmann könnte jedoch einiges möglich sein. Den Biathleten traut Mayer mehr zu, im Rahmen der WM in Chanty-Mansijsk soll zumindest eine Medaille her. Der neue Schießtrainer Klaus Siebert aus Deutschland soll der ewigen Schwäche der Österreicher zu Leibe rücken.

Private kontrollieren

Die ÖSV-Granden kritisierten, dass die FIS eine private Organisation WDA (World Doping Association) für die Durchführung der Dopingkontrollen beauftragt hat. "Der Skandal ist programmiert. Diese Organisation muss Erfolge vorweisen. Das ist so als ob man eine private Organisation statt der Polizei für die Ausstellung von Strafzetteln engagieren würde", meinte Schröcksnadel. Er gehe im übrigen weiter von der Unschuld der Österreicher in der Olympia-Dopingaffäre aus. (Der Prozess vor dem Sportgericht in Lausanne läuft noch.)

"Wichtig wären vielmehr Kontrollen im Vorfeld der Großveranstaltungen, nicht erst vor Ort." Kern des Problems seien die Differenzen in den einschlägigen Regulativen von FIS (Internationaler Skiverband) und IOC (Internationale Olympisches Komitee). Während die FIS nur die Verschaffung von klaren Vorteilen als Doping verfolgt, verbietet das IOC bereits jegliche Manipulation mit Blut. (APA/red)

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    (Zum Vergrößern)

    Die Springer Martin Höllwarth , Andreas Widhölzl, der neue Trainer Hannu Lepistö und Andreas Goldberger (von li nach re) auf dem neuen Innsbrucker Bergisel

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