Maskuline Ökonomie der Konkurrenz

28. Oktober 2002, 14:13
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Gabriele Michalitsch: Der Krieg mit friedlichen Mitteln. Über die maskuline Ökonomie der Konkurrenz.

Im Rahmen der 8. Frauen-Ring-Vorlesung an der Universität Salzburg
„(Männer)Krieg & (Frauen)Frieden“
Geschlechterdimensionen in historischen und aktuellen kriegerischen Konflikten

Die Konkurrenz, der Krieg mit anderen Mitteln, die friedliche Form des Hobbesschen Kampfes aller gegen alle, wurde als ausschließlich männliche Domäne zum Paradigma des Marktes. Von der „weiblichen Natur” hingegen wurde seit der „Erfindung der Mutterliebe” (Badinter 1984) im 17. und 18. Jahrhundert nicht Autonomie und Individualität, sondern Unterordnung und (familiäre) Gebundenheit, nicht Selbstinteresse und individuelle Nutzenmaximierung, sondern altruistische Sorge um andere, nicht Rationalität, sondern Emotionalität eingefordert. Die Negation ihrer Rationalität begründete auch die Unfähigkeit „der Frau”, ihre eigenen Interessen zu erkennen.

Das Fundament der Ökonomie ist der homo oeconomicus: ein auf sich selbst reduziertes, autonomes Individuum, das gleichermaßen geschichts-, traditions- und kulturlos ohne soziale Verortung auskommt und keiner sozialen Gruppe, Klasse oder Ethnie angehört. Rational entscheidend, d. h. Kosten und Nutzen kalkulierend, kennt es nur ein Ziel: Seinen exogen gegebenen Präferenzen entsprechend, seiner gleichsam „natürlichen Gier” folgend, seinen individuellen Nutzen zu maximieren.

Die als spezifisch weiblich bestimmten Zuweisungen der Moderne bleiben vom Konzept des Marktes ausgeschlossen wie der Entwurf des Weiblichen selbst. Die femina oeconomica wird zum Widerspruch in sich, die (Markt-)Ökonomie „männlich“. Kooperation am Markt verschwindet und bleibt allein dem Privatbereich vorbehalten. Der Kreis schließt sich: Der Platz der Frau ist im Haus, im Privaten, der des Mannes am Markt, in der Öffentlichkeit. Gabriele Michalitsch will mit ihrem Vortrag die Definition der Ökonomie zur Konkurrenzwirtschaft als maskuline Konstruktion enttarnen. Diskutiert werden soll zudem die mit der Durchsetzung des Neoliberalismus einhergehende Transformation des maskulinen Modells homo oeconomicus in eine zunehmend realer werdende Konzeption menschlicher Existenz und schließlich die neoliberale Stilisierung des auf dem „Krieg aller gegen alle“ basierenden Marktes zu einer quasi-göttlichen Instanz, jener „unsichtbaren Hand“ (Adam Smith), der es zu vertrauen gilt.

Gabriele Michalitsch studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre, ist seit 1994 Forschungsassistentin, derzeit Gastprofessorin an der Galatasaray Universität in Istanbul. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Geschlechterkonstruktionen in politischen und ökonomischen Theorien, Feministische Ökonomie, Verhältnis von Staat und Ökonomie sowie Neoliberalismus. (Ankündigungstext/red)

Donnerstag, 31.10.2002, 18.00 Uhr, HS 380, Rudfolfskai 42, Universität Salzburg
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