Interspar drängt in die Stadt

28. Oktober 2002, 18:34
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Nummer zwei im heimischen Lebensmittelhandel will verstärkt innerstädtische Einkaufszentren bauen - Probleme mit dem Raumordnungsgesetz

Wien - Eine "Forderung" an die Politik lassen sich die Spar-Obersten nicht herauskitzeln, aber "Einladungen erwarten" sie sich schon: nämlich zum Bau und Betrieb von "Bezirkseinkaufszentren" nach dem Beispiel des 50. österreichischen Interspar-Marktes in Wien-Ottakring, der außer 3450 m² "Hypermarkt" noch 15 weitere Betriebe unter einem Dach und über 400 Garagenparkplätze versammelt - vom Postamt bis zum McDonald's-Restaurant.

Beschränkungen

Spar würde gern weitere ähnliche Projekte verwirklichen, sagte Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel einen Tag vor der offiziellen Eröffnung am Montag bei einer Pressekonferenz. Aber die Raumordnungsgesetze der Länder machen den Plänen des Salzburger Konzerns diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung - für Neuwidmungen gibt es nämlich Beschränkungen, in Wien etwa ab 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche. In Ottakring wurde ein von Meinl übernommener Pam-Pam-Markt abgerissen, die Widmung war also schon vorhanden.

"Ball liegt bei der Politik"

Laut Marcus Wild, Geschäftsführer der Verbrauchermarktschiene Interspar, könnten Märkte mit angeschlossenen Einkaufszentren auch innerhalb aller Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern verwirklicht werden. Doch der Ball liege bei der Politik, man können nur Beispiele geben. Die Kaufkraft werde aber in der Stadt gehalten, außerdem entstünden Arbeitsplätze - von 103 Mitarbeitern in Ottakring wurden 75 neu eingestellt, so Regionaldirektor Christian Stagl.

Neu an diesem Standort sei weiters, dass erstmals der komplette Frischebereich (Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Brot) um einen "Marktplatz" gruppiert sei. Auch die Nicht-Lebensmittel-Bereiche habe man nicht mehr klassisch - Textilien, Hartware etc. - aufgestellt, sondern nach Themen ("Bastionen") gegliedert - etwa "Babywelt" oder "Body & Beauty". Schließlich werde erstmals außerhalb der Tchibo-Filialen auch die Non-Food-Palette des Kaffeerösters testweise verkauft.

"Äquidistanz"

Zum Jahr 2002 wollte Drexel noch nicht mehr sagen als: "Es läuft gut, trotz der Branchenflaute." Allerdings sei das Jahr schwieriger als 2001, nicht zuletzt wegen der höheren Steuer- und Abgabenlast. "Dieses Geld fehlt." In Richtung einer kommenden Regierung hält sich Drexel mit Forderungen zurück, zur Öffnungszeitendiskussion sagt er nur: "Eine Erweiterung der Wochenöffnungszeit von 66 auf 72 Stunden wäre ein guter Kompromiss." Zu den politischen Parteien sei Spar "auf Äquidistanz - im Gegensatz zum Mitbewerb".

Letzteres ist ein Seitenhieb auf Rewe-Austria-Boss Veit Schalle, der seine Freundschaft zu FP-Altparteichef Jörg Haider nie geleugnet hat. Schalle warf Spar hingegen vor, in VP-regierten Bundesländern bevorzugt zu werden, zuletzt beim umkämpften Maximarkt-Deal in Oberösterreich/Salzburg. "Falsch", kontert Drexel, "gerade im Land Salzburg bekommen wir am schwierigsten Flächenwidmungen." (DER STANDARD, Printausgabe 29.10.2002)

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Spar

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    Spar Österreich-Chef Gerhard Drexel: "Angreifer aus dem Westen."

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