Glaskiste für den Praterstern

29. Oktober 2002, 11:50
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Die ÖBB starten ihre Bahnhofsoffensive in Wien mit Neugestaltung des Nordbahnhofes. Realisiert wird das Projekt von Albert Wimmer

Wien - Wenn die ÖBB Vorhaben präsentiert, dann bemüht sie - nahe liegend - Metaphern aus der Welt der Eisenbahn. So auch am Montag: Der Umbau des Nordbahnhofes sei "auf Schiene", das Projekt ein "weichenstellendes". 2004 sollen die Arbeiten beginnen, drei Jahre später, zeitgleich mit der Fertigstellung der U2-Verlängerung bis zum Praterstern, beendet sein. 37 Millionen Euro würden in den Auftakt der "Bahnhofsoffensive" in Wien investiert. Und zwar ganz bewusst in den Nordbahnhof. Denn dieser sei "abgewohnt" wie kein anderer.

Das Verhandlungsverfahren konnte der Wiener Architekt Albert Wimmer für sich entscheiden: Er stülpt über die gesamte Anlage einen transparenten Quader mit einer Fläche von 7400 Quadratmetern; im Erdgeschoß, unter den Geleisen, befinden sich drei Geschäftszonen, die Praterpassage und die Bahnhofshalle. Sie ist mit einem weiteren gläsernen Kubus - der nördlich gelegenen U2-Station - verbunden: Diese Halle wirkt im Modell wie angefügt.

Und der Sieger heißt Wimmer

Bei der Präsentation erklärte Helmut Hainitz, der stellvertretende ÖBB-Generaldirektor, dass Wimmer "klarer Sieger" des Verfahrens gewesen sei. In der Architektenszene hingegen stieß die Entscheidung der ÖBB für Wimmer auf Verwunderung: Die Beiziehung einer Jury sei wohl eher "eine Alibiaktion" gewesen. In die engere Auswahl waren drei Projekte - von Boris Podrecca, Zechner und Zechner sowie Wimmer - gekommen. Sie wurden, erklärt der Architekt Hermann Czech als Mitglied der neunköpfigen Bewertungskommission, zwar als gleichwertig beurteilt. Die Jury habe sich aber dennoch mehrheitlich für eine Realisierung des Podrecca-Vorschlags ausgesprochen.

Auf der Architekturbiennale in Venedig ist der Entwurf ausgestellt: Er geht, wie in der Ausschreibung verlangt, auf die Umgebung ein - und sieht eine komplette Überdachung der Rotunde vor. Czech lobt denn auch gegenüber dem STANDARD die stadträumliche wie großzügige Architektur, die über ein reines Projekt für die ÖBB hinausgegangen wäre: Die Stadt Wien und Investoren hätten sich beteiligen müssen. Aber auch die von Podrecca präsentierte Minimalvariante hätte, meint Czech, "architektonisch hervorragend funktioniert".

SP-Planungsstadtrat Rudolf Schicker fand äußerst lobende Worte für Podrecca - beziehungsweise dessen Entwürfe für die Platzgestaltung, die er bei der Realisierung berücksichtigt sehen will: Die "Wüstenei" zwischen Kreisverkehr und Bahnhof würde deutlich reduziert, das Tegetthoff-Denkmal wieder sichtbarer Abschluss der Praterstraße. Schicker schlägt daher eine Arbeitsgemeinschaft von Wimmer und Podrecca vor. Konkret hingegen wurde er nicht. Auch deshalb, weil für das Projekt (noch) keine Mittel vorhanden sind. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2002)

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Viel Glas, helle, freundliche Atmosphäre - so soll der neue Bahnhof Wien-Nord aussehen

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    Viel Glas, helle, freundliche Atmosphäre - so soll der neue Bahnhof Wien-Nord aussehen

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