WAZ-Einstieg bei SZ wäre Fall für österreichisches Kartellrecht

29. Oktober 2002, 12:39
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Kartellgericht müsste prüfen, ob durch Engagement der WAZ beim STANDARD marktbeherrschende Stellung verstärkt würde

Ein Einstieg der WAZ-Gruppe beim Süddeutschen Verlag (SV) müsste auch nach dem österreichischen Wettbewerbsrecht überprüft werden. Diese Einschätzung traf der Kartellrechtsexperte Norbert Gugerbauer am Montag im Gespräch mit der APA. Der Süddeutsche Verlag ist zu 49 Prozent am STANDARD beteiligt, die WAZ hält 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und 49,4 Prozent am "Kurier". "Einen Einstieg beim Süddeutschen Verlag müsste die WAZ beim Kartellgericht anzeigen", so Gugerbauer.

Marktbeherrschende Stellung

Dieses hätte dann zu entscheiden, ob dadurch, dass sich die WAZ indirekt am STANDARD beteiligt, eine marktbeherrschende Stellung entstehen würde oder eine bestehende marktbeherrschande Stellung verstärkt würde. Nach Gugerbauers Ansicht wäre Letzteres "zumindest in einem Teilmarkt" von "Kurier" und STANDARD der Fall. "Und man kann wohl davon ausgehen, dass 'Krone' und 'Kurier' schon marktbeherrschend sind."

Kein kartellrechtliches Spannungsfeld sieht Gugerbauer bei den weiteren Österreich-Beteiligungen des Süddeutschen Verlages. 74 Prozent hält dieser am Österreichischen Wirtschaftsverlag, 100 Prozent am Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter.

Die Beteiligungen im Bereich Fachinformationen werden vom Management in der Münchner Konzernzentrale - wie auch alle übrigen Unternehmensteile - derzeit überprüft. Dass im Zuge der Restrukturierung Teile der Fachinformationen des Verlags verkauft werden könnten, schloss SV-Geschäftsführer Dirk Refäuter kürzlich nicht aus.

Die Verhandlungen mit dem SV über ein Engagement befinden sich nach Aussagen der WAZ "im fortgeschrittenen Stadium". Ein kartellrechtliches Verfahren in Österreich könnte man sich indes durch einen SV-Ausstieg beim STANDARD erfahren. Obwohl "Desinvestitionen" in allen Bereichen möglich seien, erwäge man aber keine Trennung vom STANDARD, hatte ein Sprecher des Süddeutschen Verlages unlängst betont.

Der Holtzbrinck-Verlag hat ein Angebot für den Süddeutschen Verlag vorgelegt. Dies berichtete das zu Holtzbrinck gehörende "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf einen Sprecher des Verlages. Über die Höhe des Offerts wurde zunächst nichts bekannt. Am Süddeutschen Verlag mit dem Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung" ist auch der Essener WAZ-Konzern interessiert. Ein Angebot des Essener Konzerns liegt dem Vernehmen nach aber bisher nicht vor. (APA/AFP/red)

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