Tschetschenischer Vize- Premier erhebt schwere Vorwürfe gegen Moskau

29. Oktober 2002, 13:59
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Sarkajew: "Befreiungsaktion war ein Trick, mit dem Russland Unterstützung für seine Gewaltakte in Tschetschenien erzeugen wollte"

Kopenhagen/Wien/München - Der "Vize-Ministerpräsident" der tschetschenischen Republiksregierung im Untergrund, Ahmed Sakajew, hat Moskau vorgeworfen, die gewaltsame Beendigung der Geiselnahme angeordnet zu haben, um einen friedlichen Ausgang zu verhindern. Auf einem tschetschenischen "Weltkongress" in Kopenhagen sagte Sakajew am Dienstag, die Geiselnehmer hätten über Handy in der Nacht zuvor erklärt, dass sie alle Geiseln am nächsten Morgen freilassen wollten. Darauf habe der Kreml die Erstürmung angeordnet, damit "die Tschetschenen nicht zu Helden werden konnten".

"Stürmung war ein Trick"

Laut Sakajew war die Befreiungsaktion der russischen Spezialeinheit Samstagfrüh ein bloßer Trick, mit dessen Hilfe Russland Unterstützung für seine Gewaltakte in Tschetschenien erzeugen wollte. "Die Tschetschenen in dem Theater hatten nämlich versprochen, alle Geisel an demselben Vormittag um 11 Uhr freizulassen, und die zuständigen Behörden wussten es", sagte Sakajew in Kopenhagen. Das Versprechen sei dem ehemaligen Präsidenten Tschetscheniens, Zelimhan Janbarbijew, dem es gelungen war, die Geiselnehmer zu einer friedlichen Lösung zu überreden, telefonisch gegeben worden.

Die Freilassung sollte ein spektakulärer Akt werden, denn um 11 Uhr sollten die Geiselnehmer auch einen Repräsentanten des Russischen Präsidenten Vladimir Putin und Russische Medienvertreter treffen. "Das Telefongespräch wurde selbstverständlich abgehört, und den Streitkräften wurde es eilig, anzugreifen", sagte Sakajew. Ihm zufolge ist es nicht wahrscheinlich, dass die Geiselnehmer in irgendeine Phase verkündet hätten, dass sie vor hätten, die Geisel einen nach dem anderen hinzurichten. Als Beleg für die Absichten der Geiselnehmer nennt Sakajew auch die Tatsache, dass die Rebellen ihren Sprengstoff nicht gezündet hätten, als die Sondertruppe angegriffen habe. "Ein Gas wirkt doch nicht sofort. Sie hätten Zeit gehabt zu handeln, wenn sie es gewollt hätten", sagt Sakajev.(APA/dpa/AP)

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    Vizeministerpräsident Ahmed Sakajew kündigte am Montag in Kopenhagen an, der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow sei "ohne Vorbedingungen" bereit, sich mit der russischen Führung an den Verhandlungstisch zu setzen.

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