Göttliche Kerle - Männer, Sex, Kino

10. Dezember 2002, 14:40
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Pointierte Beiträge deutscher Filmpublizistinnen finden sich in einem neuen Buch, das von den Reizen der Leinwandhelden handelt

Sex in allen Variationen gehört im Kino längst zum Bestandteil vieler Filme. Und welchen Sex Männer sehen wollen, ist schon lange bekannt: möglichst attraktive junge Frauen mit möglichst wenig Textil. Was aber wollen Frauen sehen, was macht Frauen an? Diese Frage haben sich die bekanntesten deutschen Filmpublizistinnen in dem neuen Buch "Göttliche Kerle" gestellt.

Was bei diesen vorwiegend weiblichen Betrachtungen um "Männer - Sex - Kino" herausgekommen ist, liest sich ganz besonders für das vermeintlich stärkere Geschlecht lehrreich und nicht immer schmeichelhaft. Doch nach der Lektüre wissen Männer zumindest besser, wo sich "das Lustzentrum der Zuschauerin" befindet, was ja auch im Alltag ab und an hilfreich sein könnte. Denn in dem besonders amüsanten Buchkapitel "Body Parts" machen sich die Autorinnen nicht nur Gedanken über das Lächeln, die Körpersprache und die Mode der Stars.

Free Willy: Der Penis im Film

Vielmehr geht Constanze Kleis einem ganz besonderen Aspekt nach unter der Überschrift: "Free Willy: Der Penis im Film - ein Suchspiel" und Hadwiga Fertsch-Röver reflektiert über "Der Mann und sein Po" und ruft nach der rhetorischen Frage "Dreh' dich nicht um?" ganz entschieden "Doch bitte!" Auch an den legendären Ausspruch der frühen amerikanischen Sex-Ikone Mae West wird erinnert, die in einem ihrer stets umstrittenen Filme der 30er Jahre einem Mitspieler die anzügliche Frage stellte: "Ist das ein Revolver in deiner Tasche, oder freust du dich bloß, mich zu sehen?"

Damals und noch lange danach war allerdings in Kinofilmen garantiert nichts von jenem männlichen Körperteil zu sehen, das noch immer eher verschämt, dann ganz kurz und noch viel seltener im sexuell geeignetsten Zustand von der Kamera ins Bild gebracht wird. Kleis schildert, wie sich das gewandelt hat und nicht länger immer nur "sprudelnde Sektflaschen, Raketen, Hochhäuser oder Kanonen" phallische Potenz symbolisieren. Sie fordert deshalb, "endlich einmal das Prinzip des Männlichen in seiner ganzen Unvollkommenheit zur Disposition zu stellen." Denn, so die Autorin, "um sich mit Grauen abwenden zu können, muss man erst mal einen Blick riskieren dürfen."

Der Mann, den wir lieben

Die drei männlichen Buchbeiträge beschäftigen sich mit der Rolle von Schwulen im Film. Annette Brauerhoch hingegen erklärt: "Warum der Western eigentlich für Frauen erfunden wurde", Christiane Peitz analysiert Leonardo Di Caprio als "Der Mann, den die Mädchen lieben". Birgit Roschy kritisiert in ihrem Beitrag über Frankreichs Kinoidol Gerard Depardieu an dessen Erscheinung: "Die Augen stehen zu eng, das ausladende Kinn wirkt grobschlächtig. Und seine Nase ist zu groß." Aber Roschy verrät auch: Ich kenne keine Freundin, die Gerard Depardieu nicht "irgendwie gut" findet." (APA/red)

Ansichtssache

Eine Auswahl von "Leinwand-Männern",
willkürlich ausgewählt aus der Fülle jener, die ganze Kapitel im Buch füllen.

"Göttliche Kerle"
Männer, Sex, Kino
Bertz Verlag GbR Berlin
19,90 Euro

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    foto: buchcover
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