NGOs warnen vor Tier- und Planzenausbeutung

28. Oktober 2002, 13:29
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Besonders Wal- und Elefantenschutz sollen bei zwölfter Artenschutz-Konferenz behandelt werden

Wien - Vor weiterer Ausbeutung von bedrohten Tier- und Pflanzenarten bis zur Ausrottung warnten am Montag Greenpeace und das österreichische Dokumentationszentrum für Artenschutz (DCSP) bei einem Pressegespräch. Bei der zwölften Artenschutz-Konferenz, die vom dritten bis fünfzehnten November in Santiago/Chile stattfindet, müssten u.a. Elefanten und Wale besonders geschützt werden, hieß es.

Der illegale Artenhandel habe bereits einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro erreicht, erklärte Antje Helms von Greenpeace. Der hoch profitable Schwarzmarkt mit wild lebenden Tieren und Pflanzen sei nach dem Suchtgifthandel die zweitgrößte illegale Wirtschaftsbranche der Welt.

"Nervenzerfetzende Verhandlungen"

Durch das 1973 gegründete Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES - Convention on International Trade in Endangered Species) soll dieses Geschäft durch Zollbestimmungen, die direkt in nationales Recht übergehen, reguliert werden, hieß es. Seit zwanzig Jahren ist auch Österreich einer der 160 Vertragsstaaten. 5.000 Tier- und 25.000 Pflanzenarten sind aufgelistet. In Santiago soll über den Schutzstatus von 54 Arten entschieden werden.

Als "nervenzerfetzend" bezeichnete Josef Schmuck vom DCSP die Verhandlungen bei der Artenschutzkonferenz. "Viele Engagierte kommen kein zweites Mal, mir ist oft mehr zum Weinen als zum Lachen", beschrieb er die Debatten. Oft sei es ein Kampf der Naturschützer gegen Lobbys aus Südafrika oder - beim Walfang - aus Island, Norwegen und Japan. Besonders scharf kritisierte Schmuck in diesem Zusammenhang die Schweiz, sie habe "eine katastrophale Einstellung zum Artenschutz".

Elefanten sehr bedroht

Besonders bedroht sind den Naturschützern zufolge die Elefanten. Laut einem Antrag soll der Elfenbeinhandel wieder erlaubt werden, dies brächte rund 87.000 Kilo Stoßzähne auf den Markt. "Wenn der Bedarf geweckt wird, geht auch das Wildern wieder los", warnte Schmuck vor der Ausrottung der größten Landsäugetiere. Laut Helms werden neunzig Prozent des gehandelten Mahagoni-Holzes im Raubbau gewonnen. Zwei Drittel des Bestandes seien bereits zerstört. Nur strikte CITES-Zollkontrollen könnten dem verbotenen Raubbau ein Ende setzen, denn "die Forstlobby geht mit harten Bandagen vor". Morddrohungen seien keine Seltenheit.

"Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wird der Wal aufgegessen", mahnte Schmuck. Deshalb werde auch über die Walfangquote abgestimmt. Vor der Ausrottung steht laut Helms weiters der Schwarze Seehecht (Butterfisch, Anm.). Neunzig Prozent dieses Antarktis-Fisches, der in einer Tiefe von 300 bis 3.500 Meter lebt, würden illegal gefangen. Die bis zwei Meter langen und fünfzig Jahre alten Exemplare bringen als "weißes Gold" bis zu 1.000 Euro ein.

EU gegen Verknüpfung mit Entwicklungszielen

Die Europäische Union ist gegen die Verknüpfung des Klimaschutzes mit den Zielen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung armer Länder. "Das würde bedeuten, sich weniger auf den Schutz der Atmosphäre zu konzentrieren", sagte Thomas Becker von der EU-Delegation am Montag auf der UN-Klimaschutzkonferenz in Neu Delhi. Die EU lehne daher einen ersten Entwurf für die "Deklaration von Delhi" ab, die zum Abschluss der Konferenz am Freitag verabschiedet werden soll, so Becker. Nach Ansicht der EU wird in dem Entwurf versucht, Klimaschutz und Entwicklungsziele aneinander zu koppeln.

Die ablehnende Haltung der EU dürfe aber nicht als Politik gegen die Interessen armer Länder missverstanden werden, sagte Becker. "Diejenigen, die am meisten unter dem Klimawandel leiden, sind die unterentwickelten Länder", sagte Becker. Es sei die Stärke der bisherigen Klimakonvention, dass sie sich auf den Umweltaspekt konzentriere. Außerdem fehle der EU in dem Deklarationsentwurf ein Ausblick über das Jahr 2012 hinaus. In Neu Delhi verhandeln 3.000 Delegierte aus mehr als 180 Ländern über die Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Es sieht vor, dass Industriestaaten bis zum Jahr 2012 die wichtigsten Treibhausgase um durchschnittlich 5,2 Prozent (im Vergleich zu 1990) verringern müssen. (APA)

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