Verbotener Handel mit geschützten Arten macht jährlich 200 Milliarden Euro Umsatz

28. Oktober 2002, 12:32
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Greenpeace: "Nach dem Suchtgifthandel die zweitgrößte illegale Wirtschaftsbranche der Welt"

Wien- Vor weiterer Ausbeutung von bedrohten Tier- und Pflanzenarten bis zur Ausrottung warnen Greenpeace und das österreichische Dokumentationszentrum für Artenschutz (DCSP). Bei der zwölften Artenschutz-Konferenz, die vom 3. bis 15. November in Santiago/Chile stattfindet, müssten u.a. Elefanten und Wale besonders geschützt werden, hieß es.

Der illegale Artenhandel habe bereits einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro erreicht, erklärte Antje Helms von Greenpeace. Der hoch profitable Schwarzmarkt mit wild lebenden Tieren und Pflanzen sei nach dem Suchtgifthandel die zweitgrößte illegale Wirtschaftsbranche der Welt.

CITES

Durch das 1973 gegründete Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES - Convention on International Trade in Endangered Species) soll dieses Geschäft durch Zollbestimmungen, die direkt in nationales Recht übergehen, reguliert werden, hieß es. Seit 20 Jahren ist auch Österreich einer der 160 Vertragsstaaten. 5.000 Tier- und 25.000 Pflanzenarten sind aufgelistet. In Santiago soll über den Schutzstatus von 54 Arten entschieden werden.

Als "nervenzerfetzend" bezeichnete Josef Schmuck vom DCSP die Verhandlungen bei der Artenschutzkonferenz. "Viele Engagierte kommen kein zweites Mal, mir ist oft mehr zum Weinen als zum Lachen", beschrieb er die Debatten. Oft sei es ein Kampf der Naturschützer gegen Lobbys aus Südafrika oder - beim Walfang - aus Island, Norwegen und Japan. Besonders scharf kritisierte Schmuck in diesem Zusammenhang die Schweiz, sie habe "eine katastrophale Einstellung zum Artenschutz".

Elefanten, Wale, Mahagoni

Besonders bedroht sind den Naturschützern zufolge die Elefanten. Laut einem Antrag soll der Elfenbeinhandel wieder erlaubt werden, dies brächte rund 87.000 Kilo Stoßzähne auf den Markt. "Wenn der Bedarf geweckt wird, geht auch das Wildern wieder los", warnte Schmuck vor der Ausrottung der größten Landsäugetiere.

Laut Helms werden 90 Prozent des gehandelten Mahagoni-Holzes im Raubbau gewonnen. Zwei Drittel des Bestandes seien bereits zerstört. Nur strikte CITES-Zollkontrollen könnten dem verbotenen Raubbau ein Ende setzen, denn "die Forstlobby geht mit harten Bandagen vor". Morddrohungen seien keine Seltenheit.

"Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wird der Wal aufgegessen", mahnte Schmuck. Deshalb werde auch über die Walfangquote abgestimmt. Vor der Ausrottung steht laut Helms weiters der Schwarze Seehecht (Butterfisch, Anm.). 90 Prozent dieses Antarktis-Fisches, der in einer Tiefe von 300 bis 3.500 Meter lebt, würden illegal gefangen. Die bis zwei Meter langen und 50 Jahre alten Exemplare bringen als "weißes Gold" bis zu 1.000 Euro ein. (APA)

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