Mentha-Nachfolge wird nach Allerseelen entschieden

29. Oktober 2002, 10:40
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Neue Volksopern-Direktion: Rudolf Berger, Tobias Richter, Bernd Weikl, Georg Quander und Michael Lakner werden als aussichtsreiche Kandidaten kolportiert

Wien - Bis 1. November müssen laut Ausschreibung die Bewerbungen für die interimistische Übernahme der ab der kommenden Saison vakanten künstlerischen Leitung der Volksoper Wien eingelangt sein. Laut Katharina Stourzh, der Sprecherin von Kunststaatssekretär Franz Morak (V), wird man vor einer Entscheidung jedoch den darauf folgenden Montag noch abwarten, um postalischen Nachzüglern eine Chance zu geben. "Ich gehe davon aus, dass mit einer Bekanntgabe der Entscheidung relativ bald danach zu rechnen ist", meinte Stourzh. Ein Termin dafür stehe jedoch derzeit nicht fest.

Morak muss niemand der Ausschreibungsbewerber auswählen

Für die nach dem verfrühten Abgang des künstlerischen Leiters der Volksoper, Dominique Mentha, ausgeschriebene interimistischen Leitung sind einige Bewerbungen eingegangen, doch auch jene, die sich für die zunächst ausgeschriebene künstlerische Geschäftsführung ab der Spielzeit 2005/06 beworben hatten, wurden von der neuen Situation verständigt. Morak ist jedoch laut Bundestheaterorganisationsgesetz nicht verpflichtet, jemanden mit der Funktion zu betrauen, der sich auch tatsächlich im Rahmen der Ausschreibung beworben hat. "Der Staatssekretär führt zahlreiche Gespräche", heißt es daher. "Die Bestellung ... erfolgt durch den Bundeskanzler nach Anhörung des Aufsichtsrates der betreffenden Bühnengesellschaft", formuliert das Gesetz das abschließende Procedere.

Höchte Priorität auch Budget-Verhandlungen mit neuer Regierung

Laut Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer muss anschließend die Premierenplanung "sehr rasch erfolgen", Werktitel und Dirigenten für 2003/04 sollten noch im November feststehen. Höchste Priorität dürften auch Verhandlungen mit der neuen Regierung über das künftige Volksopern-Budget genießen. Im Idealfall sollte der interimistische Leiter der kommenden beiden Saisonen mit dem endgültigen künstlerischen Volksopern-Chef ab 2005/06 ident sein.

Berger wird als chancenreicher Kandidat gehandelt

In Wiener Kulturkreisen wird derzeit der ehemalige Leiter der Wiener Kammeroper, Rudolf Berger, als chancenreichster Kandidat gehandelt. Bergers Leitungstätigkeit an der Opera National du Rhin in Straßburg endet mit der laufenden Saison. Ob er neben seiner Tätigkeit in Straßburg die kürzestfristig zu erledigende Planung der Volksoper-Saison 2003/04 vornehmen kann, müsste geklärt werden. Gegenüber der APA war Berger zu keiner Stellungnahme bereit.

Weitere Kandidaten

Neben Berger werden derzeit weitere vier Kandidaten-Namen immer wieder genannt: Tobias Richter, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, habe ebenso gewisse Chancen wie Kammersänger Bernd Weikl, heißt es. Auch Georg Quander, dessen Vertrag mit der Deutschen Staatsoper "unter den Linden" in Berlin ausgelaufen ist und der von der FPÖ ins "Experten-Team" für das umstrittene Linzer Musiktheater entsandt wurde, soll im Rennen sein, dazu noch der Österreicher Michael Lakner, der seit der Spielzeit 2001/02 Operndirektor am Theater Basel ist. Lakner und Quander konkurrierten schon im Mai des Jahres um den Posten des Salzburger Landestheaterintendanten, mussten sich aber Peter Dolder geschlagen geben. Der renommierten deutschen Regisseurin Christine Mielitz sowie dem Dirigenten und Leiter der Tiroler Festspiele Gustav Kuhn werden derzeit weniger Chancen eingeräumt.

Eine andere kolportierte Personalentscheidung wird indes von den Beteiligten heftig bestritten: Die Verlängerung des im September 2004 auslaufenden Vertrages mit Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer wurde sowohl von diesem selbst als auch vom Kunststaatssekretariat dementiert. (APA)

Kandidaten-Abwinken

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