Stimmung in deutscher Wirtschaft weiter verschlechtert

28. Oktober 2002, 11:32
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ifo-Geschäftsklimaindex wie befürchtet zum fünften Mal in Folge verschlechtert

München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober zum fünften Mal in Folge verschlechtert. Wie das Münchner ifo-Institut am Montag mitteilte, sank der Geschäftsklima-Index für Westdeutschland auf 87,7 Punkte. Dies waren 0,5 Punkte weniger als im September und der niedrigste Wert sei Jänner diesen Jahres. Das ifo-Barometer spiegelt die Einschätzung der laufenden Geschäfte und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate wider. Es stützt sich auf eine Umfrage bei 7.000 Firmen. Berücksichtigt sind das Verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe sowie der Groß- und Einzelhandel.

Düsterer Ausblick

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn macht für die im Oktober erneut verschlechterte Stimmung in der deutschen Wirtschaft vor allem die trüberen Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe verantwortlich. Analysten sagten, positive Faktoren wie der zuletzt gesunkene Ölpreis und die jüngste Erholung an den Aktienmärkten hätten nicht ausgereicht, um den Unternehmen neue Hoffnung zu geben. Belastend wirke der finanzpolitische Kurs der neuen Bundesregierung.

Sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte reagierten zunächst kaum auf die Ifo-Zahlen. Allerdings dämpften die gleichzeitig veröffentlichten Daten zum Wachstum der Geldmenge M3 im September etwas die Erwartungen einer baldigen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Schlechtere Geschäfte

Der Index für die Geschäftserwartungen fiel auf 97,9 Zähler von 99,3 im Vormonat. Ihre gegenwärtige Geschäftslage schätzten die Unternehmen dagegen als etwas verbessert ein. Der entsprechende Teilindex stieg auf 77,9 Punkte von 77,5 Punkten im September. In Ostdeutschland ging der Gesamtindex auf 97,9 von 98,5 im September zurück.

Sinn erklärte, die Eintrübung des Geschäftsklimas in Westdeutschland habe sich aus ungünstigeren Meldungen des verarbeitenden Gewerbes ergeben. Im Bauhauptgewerbe, im Einzel- und im Großhandel sei der Klimaindikator dagegen etwas angestiegen. "Insgesamt ist im Westen wie im Osten eine leichte Verbesserung der aktuellen Geschäftslage bei weiter verschlechterten Erwartungen festzustellen", erklärte Sinn.

Christoph Hausen von der Commerzbank sagte, Ursachen für den Index-Rückgang seien die Unsicherheit an den Aktienmärkten, der hohe Ölpreis und - nach der Bundestagswahl - die weitere Verschärfung des finanzpolitischen Kurses. "Mindestens bis zum ersten Quartal 2003 ist mit allenfalls schwachem Wachstum zu rechnen", sagte der Volkswirt.

Trendwende nicht in Sicht

Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank sagte, eine Trendwende sei nicht in Sicht. Zudem sei in viele Antworten auf die Umfrage des Ifo-Instituts der Inhalt des Koalitionsvertrags noch nicht eingegangen. Weil die rot-grünen Regierungspläne die Unternehmen belasten würden, dürfe man gespannt sein, wie der Index im kommenden Monat ausfalle. (APA)

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