"Casual wear" auf Kaisers Haupt

28. Oktober 2002, 17:55
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Die rudolfinische Krone ist 400 Jahre alt - angefertigt einst aus Gründen der Bequemlichkeit

Wien/Prag - Vor 400 Jahren, im Jahr 1602, ließ der in Prag residierende Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Rudolf II. (1552/1576-1612), in seiner Prager Hofwerkstatt eine private Hauskrone anfertigen, weil er bei gewissen Zeremonien nicht immer auf das in Nürnberg aufbewahrte Reichsinsignium angewiesen sein wollte. Diese Krone, die seit der Erhebung Österreichs zum Kaiserreich 1804 dieses bis zum Ende der Monarchie symbolisierte, gilt als eine der schönsten des Abendlandes.

Dass Rudolf II., der seine Herrscherpflichten und Regierungsgeschäfte zu Gunsten seiner Privatinteressen (Schöne Künste, Musik, Astronomie, Astrologie, Alchemie) vernachlässigte, an der Fertigung der Krone mitgewirkt habe, gilt als Fabel. Gesichert ist jedoch, dass er weitgehend Einfluss auf die äußere Gestaltung nahm, deren Schöpfung in den Händen seines Kammergoldschmiedes Jan Vermeyen lag.

Das Objekt

Die Krone stellt eine vollkommene Verbindung von Mitra, Kronreif mit Lilienzierrat und Bügel dar. Als Vorbild dürften heute nicht mehr erhaltene Mitra-Kronen gedient haben, wie sie auf Bildern von Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian I. zu sehen sind. Die knapp vier Kilogramm schwere Krone ist 28,6 cm hoch und besteht aus Gold, Email, Tafelsteinen. Geschmückt ist sie mit Perlen, Rubinen und einem Saphir.

Auftraggeber und Datierung sind durch die Inschrift gesichert: RUD(OLPHUS).ROM(ANORUM).IMP(ERATOR). HUNG(ARIAE).ET.BOH(EMIAE).REX.CONSTRUXIT.MDCII. Auf drei der Mitrafelder sind Szenen von Krönungen Rudolfs zu sehen: die Krönung im Frankfurter Dom zum Römisch-Deutschen Kaiser, der Ritt auf den Preßburger Krönungshügel als Zeichen der ungarischen und der Festzug zum Hradschin als Teil der böhmischen Königskrönung. Das vierte Relief verherrlicht die Türkensiege des Kaisers.

Rudolfs Bruder und Nachfolger, Kaiser Matthias, behielt so wie alle seine späteren Nachfolger die Krone als Privatkrone bei. Er ließ durch seinen Kammergoldschmied Andreas Osenbruck einen passenden Reichsapfel und ein neues Zepter dazu anfertigen.

Napoleonische Veränderungen

Als Napoleon Bonaparte am 18. Mai 1804 in Frankreich ein erbliches Kaisertum errichtete - die Kaiserkrönung fand erst am 2. Dezember in Anwesenheit von Papst Pius VII. statt - nahm der Römisch-Deutsche Kaiser Franz II. aus Furcht vor einer Rangminderung den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich (als solcher Franz I.) an. Er machte die Anerkennung der Rangerhöhung Napoleons von einer wechselseitigen Anerkennung des Kaisertums Österreich abhängig.

Um zu verhindern, dass Napoleon nun den Griff nach der Reichskrone unternahm, legte Kaiser Franz die Reichskrone am 6. August 1806 nieder - das war das Ende des ohnehin in Agonie liegenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Als Insignie des neuen Kaiserreiches Österreich wurde die rudolfinische Krone gewählt, der Reichs-Doppeladler wurde in das Wappen aufgenommen, übernommen wurden auch die Monarchie-Farben Schwarz und Gold.

Symbol

Zur Krönung der erblichen österreichischen Kaiser mit der rudolfinischen Krone ist es nie gekommen. Alle konkreten Pläne in dieser Richtung sowie Pläne für ein eigenes Krönungszeremoniell blieben in den Entwicklungsstadien stecken. Somit galt die Kaiserkrone bis zum Ende der Monarchie 1918 lediglich als Symbol für das Kaisertum. Neben der alten Reichskrone ist sie heute eines der Prunkstücke der Weltlichen Schatzkammer in der Wiener Hofburg.

Dagegen mussten alle Herrscher Ungarns, so auch die Habsburger, mit der Stephanskrone gekrönt werden (zuletzt Kaiser Karl I. 1916, als ungarischer König Karl IV.). Ihre Regierungszeit in Ungarn wurde erst ab dem Zeitpunkt der Krönung gerechnet (bei Franz Joseph z.B. erst ab 1867). Wer nicht mit der Stephanskrone gekrönt war, war nach ungarischem Staatsrecht nicht Herr im Land. (APA)

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