Österreichs Industrie sieht schwarz

28. Oktober 2002, 18:16
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Konjunkturbarometer abgestürzt - Depressive Stimmung bei Industriellen verstärkt

Wien - Düster ist das Bild, das sich aus der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) aus dem dritten Quartal 2002 ergibt: Die zukünftige Geschäftslage wird von den Unternehmern "wesentlich pessimistischer" eingeschätzt als früher. Die konjunkturelle und wirtschaftspolitische Unsicherheit ließ das IV-Konjunkturbarometer auf -0,9 Prozent abstürzen.

Nahezu alle Indikatoren - mit Ausnahme der Beurteilung des Auftragsbestands - haben sich gegenüber dem zweiten Quartal verschlechtert und bewegen sich auf einem niedrigen Niveau, beklagte am Montag die Industrie nach Vorlage der Umfragewerte. Besonders die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten drücke verstärkten Pessimismus der Industrieunternehmen aus.

Depressive Stimmung

Dass in Österreich, nach rund zweieinhalb Jahren konservativer Regierungspolitik, die jüngste Konjunkturumfrage der IV aus dem 3. Quartal 2002 eine verstärkt depressive Stimmung bei den IV-Mitgliedern zeigt (521 Firmen mit 243.000 Beschäftigten haben sich beteiligt), erklärte der Bereichsleiter Industriepolitik der IV, Erhard Fürst, bei der Präsentation der Quartalsprognose am Montag mit unsicheren internationalen Rahmenbedingungen, vor allem der Nahostkrise und der Kriegsgefahr im Irak. Dazu komme die ungünstige Wirtschaftslage in Deutschland, wo der Ifo-Index (ein Pendant zur Konjunkturumfrage der IV) schon vier Monate hintereinander gefallen sei.

"Zinssenkungspotenzial"

Fürst verwies auf ein "Zinssenkungspotenzial" in Europa, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht ausgeschöpft werde. "Die öffentliche Diskussion über den europäischen Wachstums- und Stabilitätspakt war einer Zinssenkung nicht gerade förderlich", merkte Fürst an. Für eine Inflationsbeschleunigung gebe es jedenfalls keine Anzeichen. Zum Unterschied von den europäischen Regierungen seien die USA sehr wohl willens und in der Lage, eine aktive Konjunkturpolitik zu betreiben. Das sei möglich, da die USA in Zeiten der Hochkonjunktur budgetäre Überschüsse gebildet hätten, die sie in konjunkturstützende Defizite verwandeln würden. "Deutschland, Frankreich und Italien haben das nicht gemacht". Die Zinssätze der USA und der Euro-Zone lägen mit 1,75 gegenüber 3,25 Prozent sehr deutlich auseinander.

Stimmung schlechter als die Lage

Die Konjunkturumfrage der IV kommentierte Fürst mit: "Die Stimmung ist möglicherweise schlechter als die Lage, aber die ist auch nicht sehr gut". Das Konjunkturbarometer, ein Mischwert aus aktueller und in 6 Monaten erwarteter Geschäftslage, hat sich nach einem Zwischenhoch von 11,8 im 2. Quartal 2002 auf minus 0,9 verschlechtert. Nur im 3. Quartal 2001 (Terrorismusanschläge in den USA) war der Saldo mit minus 12,6 noch negativer (seit 1995/96). Die Erwartung zum Beschäftigtenstand, der bereits Mitte 2002 eine ungünstige Perspektive aufwies, hat sich weiter verschlechtert (Saldo von minus 3 auf minus 11), 22 Prozent der Unternehmen sehen einen Beschäftigungsrückgang voraus. Damit wird die Prognose des Wirtschaftsforschungsinsituts (Wifo) bestätigt, die vor rund einem Monat für heuer auf einen Rückgang der Industriebeschäftigung um 2,3 Prozent und für 2003 um 0,5 Prozent lautete. Eine positive Entwicklung zeigte zuletzt der Auftragsbestand (plus 6 gegenüber plus 3 im 2. Quartal 2002), jedoch "auf einem niedrigen Niveau", wie Fürst bemerkte.(APA)

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IV

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    Die Konjunkturerwartungen der heimischen Industriellen haben sich weiter eingetrübt.

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