Couragierte Mutter brachte Entführungsklage ein

28. Oktober 2002, 10:29
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Potenzielle Königsbraut wird in Swaziland zum politischen Testfall

Mbabane/Johannesburg - Die Machtprobe zwischen einer couragierten Mutter und dem König hat die traditionelle Monarchie in Swaziland (Swasiland) mehr erschüttert als alle bisherigen Modernisierungsversuche der großteils verbotenen Gewerkschaften und Oppositionsgruppen. Die achtzehnjährige Zena Mahlangu, Schülerin und potenzielle Ehefrau Nummer 10 von König Mswati III. sorgt weiter für Schlagzeilen. Nachdem ihre Mutter vor einem Gericht des 1968 souverän gewordenen ehemaligen britischen Protektorats, das an Südafrika und Mosambik grenzt, mit ihrer Entführungsklage Erfolg hatte, geht der Konflikt in die zweite Runde.

Freiwilligkeit prüfen

Die Polizei weigerte sich, eine Vorladung des Gerichts für die in königlichem Gewahrsam befindliche Zena überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Im Machtkampf zwischen dem absolutistisch herrschenden König sowie den Gerichten des Landes sollen nun zwei Anwälte Zena in den königlichen Gemächern befragen, ob sie dort freiwillig sei. Das Mädchen war nach einer Brautschau von Mswatis Anhängern in den Palast gebracht worden.

Täuschung

In einem Telefonat mit einer Zeitung behauptete eine sich als Zena ausgebende Frau mittlerweile, sie sei glücklich mit ihrem "Ehemann". Ihre Mutter will dennoch nicht aufgeben und setzt nach Angaben der südafrikanischen Presse auf traditionelles Recht, auf das auch König Mswati III. seine Macht stützt. Demnach dürfen Frauen unter 21 Jahren nur mit Genehmigung ihrer Eltern heiraten.

Die in Johannesburg ansässige Organisation "The Swaziland Solidarity Network" hat zu einer politischen Isolierung der Monarchie aufgerufen, die "undemokratisch, despotisch und totalitär" sei, und das in einer Zeit, in der sich die meisten afrikanischen Länder auf demokratische Verhältnisse zubewegten.

Mswati III. bestieg 1986 den Thron. Die politischen Parteien waren von seinem Vater Sobhuza II. verboten worden. Dem Monarchen und seiner Mutter Ntombi, die den Ehrentitel "Die Große Elefantenkuh" führt, steht ein Kronrat ("Liqoqo") aus Prinzen der königlichen Dlamini-Sippe zur Seite. Die USA und Südafrika haben König Mswati III. wiederholt zu demokratischen Reformen aufgerufen. (APA/dpa)

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