Moskau sagt bilateralen Besuch in Dänemark ab

28. Oktober 2002, 15:02
5 Postings

Russland wegen Tschetschenen-Kongress in Kopenhagen verärgert - Dänemark verlegt EU-Treffen mit Putin nach Brüssel

Kopenhagen/Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat aus Verärgerung über einen Tschetschenen-Kongress in Dänemark seinen für November geplanten Besuch in das skandinavische Land abgesagt. Ein Besuch Putins in Kopenhagen sei "nicht möglich", teilte das russische Außenministerium am Montag in Moskau mit.

Zuvor hatte Russland vergeblich von der dänischen Führung verlangt, den am Montag begonnen "Tschetschenischen Weltkongress" zu verbieten. Erst am Samstag war eine Geiselnahme tschetschenischer Terroristen in Moskau blutig beendet worden.

Putin wollte ursprünglich am 11./12. November zum Gipfeltreffen mit der EU und einem Staatsbesuch in Dänemark nach Kopenhagen reisen. Als Folge der Moskauer Geiselaktion hat die dänische EU-Ratspräsidentschaft am Montag ein Treffen der EU-Spitze mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin von Kopenhagen nach Brüssel verlegt. Putin hatte der EU zuvor mit einer Absage des für den 11. November geplanten Besuchs in Dänemark gedroht. Hintergrund ist die Moskauer Forderung, einen für diesen Montag in Kopenhagen geplanten "Weltkongress" tschetschenischer und exil-tschetschenischer Gruppen zu verbieten. Dänemark hatte dies abgelehnt.

Der Kreml hatte das Verhalten der dänischen Behörden in einer diplomatischen Note vom Vortag als "Solidarisierung der dänischen Behörden mit den tschetschenischen Terroristen" kritisiert. Außenminister Per Stig Möller wies die Verbotsforderung zunächst zurück. Er begründete die erst später beschlossene Verlegung als "pragmatische Lösung, um das Verhältnis der EU zu Russland nicht zu vergiften". Putin will wegen des Tschetschenen-Treffens in Kopenhagen auch nicht zu einem für den 12. November geplanten Staatsbesuch in Dänemark kommen.

Der dänischen Regierung mangele es an Respekt gegenüber den Opfern des "terroristischen Aktes" in Moskau, sagte der für ethnische Minderheiten zuständige russische Minister Wladimir Sorin der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Durch die Tschetschenien-Konferenz werde die "internationale Front gegen den Terrorismus" geschwächt.

Der Menschenrechtsbeauftrage für Tschetschenien, Abdul-Chakim Sultigow, bezeichnete gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax die dänische Haltung als "zynisch". Die russische Regierung hatte Kopenhagen am Wochenende aufgefordert, den Tschetschenien-Kongress abzusagen. Andernfalls sei Russland eine Teilnahme an dem EU-Russland-Gipfel "unmöglich".

Moeller sagte dagegen, die Konferenzteilnehmer seien keine Terroristen. Dennoch wolle die EU hre Beziehungen zu Russland stärken. Es stehe zu viel auf dem Spiel, um sie wegen diese Angelegenheit zu gefährden. Bei dem zweitägigen Kongress kommen ab Montag etwa hundert Tschetschenen aus aller Welt sowie Vertreter aus Russland, Europa und den USA in Dänemark zusammen, um über Friedenslösungen für die abtrünnige Kaukasusrepublik zu beraten.(APA/dpa)

Share if you care.