ÖVP-Wahlkampfauftakt: Berlusconi unterstützt Schüssel

29. Oktober 2002, 14:03
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In Linz, wo im Frühling und Herbst Autodrom-Betriebe laufen, damit in Urfahr die Jahrmarktskonjunktur stimmt, zelebrierte die ÖVP ihren Wahlkampfauftakt - Im Zirkuszelt

In Linz, wo im Frühling und Herbst Autodrom-Betriebe laufen, damit in Urfahr die Jahrmarktskonjunktur stimmt, zelebrierte die ÖVP ihren Wahlkampfauftakt - mit griffigen Parolen im rein weißen Zirkuszelt. Impressionen eines Kulturkritikers.

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Linz - Zunächst: Sturm. Weil: "Die Zeiten sind stürmisch!" Das erlaubt selbst denen aus der ÖVP, die, wie Andreas Kohl, "so schwarz sind, dass sie noch im Arlbergtunnel einen Schatten werfen", mit der Tradition zu brechen. Und also sagt im Ausnahmezustand, wer sich mit Trübwein stärkt nicht "Mahlzeit", sondern: "Wer, wenn nicht er?" Am besten erwidert man herzlich "Genau!" und trinkt.

Man trinkt auf die "Herzlichkeitsweltmeister", man trinkt sich Mut an gegen die "Haschtrafiken". Und man trinkt sich in Laune. Weil: Der Kampf beginnt. Weil: Gusenbauer hat mit den "Österreichvernaderern champagnisiert". Und: "Einen Kanzler dieses Niveaus hat sich Österreich nicht verdient." Für welche Partei steht Österreich zuerst? Die ÖVP. Allen anderen kommt Österreich zuletzt! SPÖ. FPÖ. Und den Grünen ist Österreich nicht einmal einen Buchstaben wert.

"Drogen, Pilz, Voggenhuber!" Da hilft nur noch: "Kraft der Mitte". Kompetent, geradlinig, Wolfi! Der folgt nicht "den grünen Duftstoffen". Der weiß, er würde damit in die "rote Falle" laufen. Der kriegt einen "Eintrag ins Buch der Rekorde. Für Nervenstärke!" Er weiß: "Es läuft nur, wenn wir laufen!" Er verwertet, was ihm das "Kompetenzteam" auflegt: der (alles Eigendefinitionen) "listenreiche Odysseus" Khol, die "fröhliche Mutmacherin" Rauch-Kallat, der "Lebensminister" Molterer, der "Eisbrecher für die Liberalisierung der Medien und Anwalt der Künstler" Morak, Ferrero-Waldner, die Frau mit den "Fühlern außen und den Wurzeln hier", der "lange Atem Bartenstein" und Elisabeth "Schubumkehr" Gehrer.

Liebe Freunde! Tosender Applaus. Kamera ins Publikum. Auf dem Videoscreen hinter Wolfgang Schüssel ächzen 3000 besetzte Stühle im fünftürmigen Zirkuszelt. Auf allen harren Fans mit Schüssel-Anhängern - rot-weiß-rot gestreiften, karabinerbestückten Bändern, wie man sie Kindern umhängt, auf dass sie ihre Schlüssel nie verlieren - dem Einlauf der Spitzen "bündischer Breite".

"Vielfalt statt Einfalt!"

Franz Morak schreit: "Vielfalt statt Einfalt!" Die Menge tobt. Ernst Strasser gratuliert: "Gelernt ist gelernt." Mitten rein grüßt Silvio Berlusconi per Video: "Forza Wolfgang!" Und Schüssel gratuliert Landeshauptfrau Klasnic zum Geburtstag: "Ein guter Jahrgang, 1945, meiner!" und sagt, wozu ein Heer gut ist: "Gegen die Zwischenfälle des Lebens und der Geschichte." Die Welt ist gefährlich: Selbstmordattentäter, Sniper, Fundamentalisten auf Bali, Tschetschenen auf Moskaus Bühnen, organisiertes Verbrechen. Und: "Jeder von uns hat selbst einmal jung angefangen!"

Also: Einkommenskurve abflachen. Und immer wieder: "Haschtrafiken". Morak tobt: Wisst ihr, was Schubumkehr bedeutet? Absturz! Die Menge tobt. Wer, wenn nicht wir. Was ist schon eine Hartz-Kommission gegen ein Kompetenzteam: "Diesen Unterschied muss man Klavier spielen können!" Gusenbauer? Kommentar überflüssig!

Verständnis für die "Nachbarschaftserweiterung" im Sinne der "Wiedervereinigung Europas": Die Menge tobt. Immer wieder grüßen alle: Pröll, der "mächtige Nachbar", winkt. Der östliche Außenverteidiger, Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl hebt die Hand, Silvia Fuhrmann winkt für die junge VP noch etwas gschamig, Elisabeth Gehrer winkt beidhändig, die Sekretäre Morak und Finz winken parallel, Andreas Khol macht das Peace-Zeichen genauso geschickt links wie rechts. Langsam beginnt es nach Buffet zu riechen. Eine reife Girlie-Group intoniert: "Wer Liebe liebt, wird unsterblich sein/niemals allein/nur mit dir will ich die Liebe spüren/An jedem Tag neu . . ."

Alle sind gerührt, wissen: Das war metaphorisch gemeint. Die Eingeweihten denken gern an Alpbach. Dort gebe Wolfi den Ton an: "Bei uns kommt das Germanische und das Romanische und das Slawische zusammen. Wir haben in Europa die romanische Tonika, den Grundton, und die germanische Dominante, und dazwischen kommt jetzt die slawische Terz. Damit sind wir erstmals ein echter europäischer Dreiklang." Musik! (Markus Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die VP-Spitze beim Wahlkampfauftakt in Linz (zum Vergrößern)

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