Beitrittswerber shoppen stärker in Österreich

27. Oktober 2002, 19:47
posten

Mit EU-Beitritt werden Karten neu gemischt

"Die osteuropäischen Gäste kaufen sicher mehr bei uns ein als Österreicher in den angrenzenden Reformländern. Das war früher umgekehrt und ist in den letzten Jahren eindeutig gekippt." Wolfgang Richter, Chef des Wiener Handelsberatungsunternehmens RegioPlan, weist im STANDARD-Gespräch auf eine kürzlich gemachte Befragung hin: 43 Prozent der befragten Gäste aus den genannten Ländern nannten dabei als Grund ihrer Reise "Einkauf".

Weitere Ergebnisse der RegioPlan-Befragung: 21 Prozent der Besucher gaben als Grund der Reise "Besuch von Freunden/Verwandten" an, 19 Prozent "beruflich", elf Prozent "Sport/Urlaub" (Mehrfachnennungen waren möglich).

Bei den Ausgaben liegen "Einkäufe" mit 53 Prozent an der Spitze. 41 Prozent der gekauften Waren sind Bekleidung und Schuhe. Auskunftspersonen waren Gäste aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei.

Auswirkungen der EU-Osterweiterung

Für heimische Handelsbetriebe sei wichtig abzuschätzen, welche Auswirkungen die EU-Osterweiterung voraussichtlich haben wird. Da sei etwa die Frage spannend, ob die Kaufkraftabflüsse aus Österreich wieder größer werden, vor allem weil die Ladenschlussgesetze hierzulande bei weitem restriktiver sind als in den Kandidatenländern.

"Es zeigt sich bei den verschiedensten Handelsagglomerationen, auch in den Einkaufszentren in diesen Ländern: Die Umsätze verschieben sich immer mehr in Richtung Wochenende", sagte RegioPlan-Chef Richter. Bei der kurzfristigen Versorgung etwa mit Lebensmitteln spiele die Frage der Öffnungszeiten eine kleinere Rolle.


Kaufkraftabfluss

Bei Einkaufszonen mit überregionaler Bedeutung sei dies hingegen anders: Deswegen, so Richter, sei die Gefahr von Kaufkraftabflüssen aus ostösterreichischen Bezirksstädten wie beispielsweise Mistelbach, Wiener Neustadt, Eisenstadt oder Oberwart besonders hoch. Aber auch Österreichs größte Shopping-Agglomeration, die SCS in Wien-Vösendorf, werde betroffen sein.

Hoffnungen dürfen sich auch Outletcenter machen. "Die Konsumentenbedürfnisse gehen stark in Richtung Freizeit, solche Outlet Centers sind eigentlich Ausflugsziele." Und Ausflüge passieren üblicherweise am Sonntag. (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 28.10.2002)

Am 7. November veranstaltet RegioPlan das "2. österreichische Handelssymposium" in Kooperation mit dem STANDARD zum Thema: "Handelskrise? Ohne uns! Gegenstrategien erfolgreicher Unternehmer" im Grand Hotel Wien; Info: >www.regioplan.at , Tel.: (01) 586 04 53 (Marianne Bogner)
Share if you care.