Staatsanwaltschaft akzeptiert bedingte Haftstrafe

28. Oktober 2002, 20:07
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Becker klagt jetzt auch: T-Online soll fünf Millionen Euro wegen unerlaubter Anzeigen und Spots zahlen

München - Der Richterspruch im Steuerprozess gegen Boris Becker ist rechtskräftig. Ein Münchener Gericht hatte den 34-Jährigen am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe und 500.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Staatsanwalt Matthias Musiol erklärte am Montag in München, er werde keine Revision einlegen. Erste Reaktion des ehemaligen Tennisstars: "Ich bin froh und erleichtert." Becker hatte das Urteil sofort nach der Verkündung akzeptiert und erklärt, das Wichtigste sei, dass er nicht ins Gefängnis müsse.

Der Staatsanwalt hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert, weil er eine Wohnung im Haus seiner Schwester verschwiegen und so 1,7 Millionen Euro Steuern hinterzogen habe. Warum er jetzt auf Rechtsmittel verzichtet, wollte Musiol nicht weiter erläutern. Die Staatsanwaltschaft werde keine Erklärung abgeben, sondern die am Donnerstag ablaufende Frist für eine Revision verstreichen lassen, kündigte er an.

Die Richter werteten Beckers Geständnis als strafmildernd und folgten bei dem Strafmaß dem Antrag der Verteidigung. Nach der Urteilsverkündung hatte Musiol erklärt, zwei Jahre Bewährungsstrafe und 500 Tagessätze Geldstrafe entsprächen "rechnerisch" fast dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe und damit der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Becker klagt T-Online

Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung klagt Boris Becker jetzt seinerseits: Den Internetprovider T-Online, weil dieser ihn angeblich ohne Erlaubnis als Werbefigur eingesetzt hat. Beckers Sprecher Robert Lübenoff dementierte unterdessen, dass der Ex-Tennisstar für seine freiwillige Steuernachzahlung von 3,1 Millionen Euro einen Kredit aufgenommen hätte.

Lübenoff bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Es handle sich um eine Schadensbemessungsklage über mehr als fünf Millionen Euro, nachdem Becker in erster Instanz Recht bekommen habe. Laut "Focus" versucht der Leimener insgesamt 5,8 Millionen Euro bei der Telekom-Tochter zu holen. Die umstrittenen TV-Spots und Zeitungsanzeigen waren 1999 und 2000 verbreitet worden.

"Aus eigenen Mitteln"

Lübenoff zur Steueraffäre: "Er hat dies aus eigenen Mitteln bezahlt", bekräftigte er. "Focus" hatte berichtet, dass der Metro-Gründer Otto Beisheim und dessen Vermögensverwalter Hans-Dieter Cleven dem ehemaligen Tennisprofi dafür teilweise einen Kredit gegeben hätten. (APA/AP/dpa/Reuters)

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