Israelische Experten sprechen von Nervengas

27. Oktober 2002, 14:40
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"Normales Anästhetikum hätte für so große Anzahl von Menschen in einem großen Theater niemals ausgereicht"

Jerusalem - Die russische Spezialeinheit "Alpha" hat nach Einschätzung eines israelischen Experten bei der Beendigung des Geiseldramas in Moskau "Nervengas" oder einen bisher unbekannten Kampfstoff eingesetzt. Der Anästhesie-Experte Professor Joel Donchin von der Universitätsklinik Hadassah Ein Karem in Jerusalem sagte am Sonntag, kein gewöhnliches Betäubungsmittel könne einen derart dramatischen Effekt haben.

"Ein normales Anästhetikum hätte niemals für eine solche Anzahl von Menschen in einem großen Theater ausgereicht", sagte Donchin. Ein Einsatz von "Nervengas" würde auch den schlechten Zustand der Patienten in den Krankenhäusern erklären, meinte der Arzt. Dennoch meinte Donchin, die russischen Behörden hätten richtig gehandelt. "Wenn ich 700 Menschen befreien müsste, würde ich auch jedes Mittel einsetzen", sagte er.

Der Vorsitzende des israelischen Anästhesisten-Verbandes, Leonid Idelmann, geht ebenfalls von einem Kampfstoffeinsatz aus. "Das Gas basiert meiner Ansicht nach auf Aceton", sagte er der Zeitung "Maariv". "Darauf deutet die Tatsache hin, dass die Menschen sofort das Bewusstsein verloren, als das Gas durch die Luftschächte eindrang."

Seiner Einschätzung nach handelte es sich um einen "chemischen Kampfstoff, der zu Vergiftungen und Verwirrung führt". Da die Ärzte im Krankenhaus die Art des Giftes nicht kannten, hätten sie den Patienten auch kein passendes Gegenmittel geben können. "Die russische Spezialpolizei will den Stoff wahrscheinlich in Zukunft wieder einsetzen und hält ihn daher geheim." (APA)

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