Indien: Massaker an dreißig Zivilisten

27. Oktober 2002, 13:40
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Mutmaßlichen Bodo-Separatisten haben zwei Dörfer in Assam überfallen

Neu-Delhi - Mutmaßliche Separatisten haben bei zwei Terrorüberfällen im Nordosten Indiens dreißig Zuwanderer ermordet. Eine bewaffnete Bande, die zur Separatistenorganisation NDFB der Bodo-Volksgruppe gehören soll, drang am Sonntag mit Schnellfeuerwaffen in das Dorf Dadgiri im Unionsstaat Assam ein. Die Angreifer zogen die Menschen aus ihren Hütten und schossen sie nieder, wie die Polizei der nahe gelegenen Kleinstadt Kokrajhar mitteilte. Dann erschossen die Terroristen 22 Menschen, zehn Menschen wurden nach Berichten indischer Medien verletzt.

Bereits am Samstag hatten Separatisten im benachbarten Bundesstaat Tripura nahe der Ortschaft Khowai einem Auto mit Zuwanderern aufgelauert und acht Menschen erschossen, unter ihnen drei Frauen und ein Kind. Die Opfer des zweiten Überfalls waren Zuwanderer aus Bihar und Nepal. Als die Polizei anrückte, zündeten die Täter eine Bombe auf einer Brücke. Sechs Beamte wurden schwer verletzt. Ein Trupp Polizisten, der in das Dorf unterwegs war, wurde von einem anderen Rebellenkommando angegriffen. Dabei wurden vier Beamte verletzt.

Bisher über 10.000 Menschen bei Assam-Konflikt gestorben

Der von der Weltöffentlichkeit kaum beachtete Konflikt in Assam hat seit zehn Jahren mehr als 10.000 Menschen das Leben gekostet. Im Nordosten Indiens kämpfen mehrere Rebellengruppen für mehr Autonomie oder für eigene Staaten ihrer jeweiligen Volksgruppen. Die Gewalt der Rebellen richtet sich dabei vor allem gegen Armee und Polizei sowie gegen die Zuwanderer aus anderen Teilen Indiens und aus Nepal und Bangladesch.

Die Nationale Demokratische Front Bodoland (NDFB) wirft der Regierung vor, den Holzreichtum und die Bodenschätze auszubeuten, ohne in die Wirtschaft der Region zu investieren. Die für einen eigenen Staat kämpfenden Rebellen unterhalten Stützpunkte im benachbarten Bhutan. Die Regierung des zwischen Indien und China gelegenen Königreichs hat die schätzungsweise mehr als 4.000 Untergrundkämpfer aufgefordert, das Land zu verlassen. (APA)

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