Billa-Chef kann auf Sonntagsöffnung verzichten

28. Oktober 2002, 14:29
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Veit Schalle hofft nur auf eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten unter der Woche - Gerüchte um Posten für Grasser

Wien - Der Chef der größten Handelskette Österreichs Rewe Austria (Billa, Merkur, Mondo, Bipa), Veit Schalle, erwartet ein Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in Österreich im Zuge der Osterweiterung. Auf eine Sonntagsöffnung kann der Billa-Chef verzichten. Generelle Öffnungszeiten von 7.00 bis 20.00 Uhr an Werktagen bezeichnet er aber als "wünschenswert". Rund um Österreich würden nach der Osterweiterung die Läden auch an Wochentagen bis 22.00 Uhr offen halten. Dabei müssen auch Österreich mitziehen, egal unter welcher Regierung, sagte Schalle in einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin "profil".

Die Schuld an den derzeit noch rigiden Ladenöffnungszeiten Österreichs gibt Schalle Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. "Dank Wirtschaftsminister Bartenstein ist es zu keiner Lockerung gekommen", so Schalle. Bartenstein habe nur so getan, als ob er für eine Liberalisierung wäre. "Er hat es aber nicht ernst gemeint", meint der Rewe Austria-Boss.

Kein Widerstand bei Arbeitnehmern mehr

Bei den Arbeitnehmern ortet Schalle hingegen keinen Widerstand mehr. "Mittlerweile hat sogar die Gewerkschaft erkannt, dass Arbeitszeit mit Geschäftsöffnungszeit nichts zu tun hat". Es gebe sogar genug Mitarbeiter, die angesichts eines Zuschlags von 100 Prozent und eines zusätzlichen freien Tages gerne am Sonntag arbeiten würden, meint Schalle.

Während die Öffnungszeiten nach Vorstellung des Rewe Austria-Chefs erweitert werden sollen, kürzt der Konzern unterdessen weiter seine Produktpalette. Schalle bestätigte im "profil", dass bei Billa und Merkur derzeit rigoros Markenartikel ausgelistet werden: konkret bei Billa 550, bei Merkur 2.000. Darbo, Felix Austria und Inzersdorfer etwa haben laut "profil" bereits erhebliche Sortimentsstreichungen bei den Rewe-Handelsketten hinnehmen müssen.

"Wir schmeißen alle Artikel raus, die für Kunden keine Vorteile bieten. Wir haben schließlich keine unendlich dehnbaren Gummiregale. Wo sollen wir das alles hinschlichten?" sagt Schalle: "Wenn etwa Kraft-Jacobs-Suchard die fünfzehnte Sorte Schokolade anbietet, die keiner kaufen will, werden wir nicht mitspielen." Die Lebensmittelindustrie sei angehalten, Innovationen zu bringen und nicht "zahllose Geschmacksvarianten eines bekannten Produkts".

Gerüchte um Karl-Heinz Grasser

Zu den Gerüchten um ein Engagement von Finanzminister Karl-Heinz Grasser beim Rewe-Konzern, meinte Schalle: "Grasser wäre für unser Haus eine echte Bereicherung und universell einsetzbar." Konkrete Verhandlungen mit Grasser gäbe es allerdings nicht. Auch an der kolportierten Gagenforderung Grassers von 750.000 Euro pro Jahr sei "nichts dran".

Schalle selbst will unterdessen mindestens zwei weitere Jahre bei Rewe bleiben: Limit nach oben gibt es keines. "Ich muss nur ein halbes Jahr vorher Bescheid geben, wenn ich aufhören will", so der Rewe Austria-Chef. (APA)

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    Billa-Chef Schalle will Platz in den Regalen schaffen: Produkt-Innovationen müssen her statt zahlloser Geschmacksvarianten

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