Sandsturm düngte den Ozean

27. Oktober 2002, 13:00
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Was in der Wüste Gobi begann, führte nach fünf Tagen zu extremem Planktonwachstum im Nordpazifik - alte Hypothese bestätigt

Berkeley/Kalifornien - Ein internationales Forscherteam des Lawrence Berkeley National Laboratory hat bestätitigt, was die Wissenschaft schon länger vermutet hat: ein Sandsturm in der Wüste Gobi hat nach fünf Tagen zu einem extremen Planktonwachstum im Nordpazifik geführt. Das berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science".

Carbon-Explorers, das sind schwimmende Bojen, die üblicherweise Temperaturen und Salzgehalt messen, haben die wissenschaftliche These bestätigt. Zwei dieser SOLO-Schwimmer (Sounding Oceanographic Lagrangian Observers), die vom Scripps Institute of Oceanography entwickelt wurden, sind vom Forschungsschiff Polar Sea im April 2001 rund 1600 Kilometer westlich von Vancouver Island ausgesetzt worden. Die SOLO-Schwimmer haben regelmäßig alle 48 Stunden drei Mal Informationen über Satelliten an die Forschungsstation geliefert. Fünf Tage nach dem Sandsturm in Zentralasien konnten die ersten Zunahmen an Plankton bereits gemessen werden. Weitere zwei Wochen nach dem Sturm hatte sich die Zahl des Phytoplanktons bereits verdoppelt. Üblicherweise sind die Gewässer der Gegend relativ eisenarm. Durch die Einbringung des Wüstensands stieg aber der Eisengehalt relativ stark an. Dies hatte zur Folge, dass sich das Plankton vermehrte.

Das Forschungsteam unter der Leitung von James K. Bishop vom Lawrence Berkeley Laboratory konnte nach den Forschungsergebnissen zumindest jene Annahmen bestätigen, wonach die Einbringung von Wüstensand eine Auswirkung auf das Wachstum von Phytoplankton in gewissen Regionen, die hohe Nährstoff und niedrige Chlorophyllwerte aufweisen (HNLC-Waters). Ob die so genannte "Eisen-Hypothese" des Ozeanographen John Martin, der in den 80-ern behauptete mit der Einbringung von Eisen in Ozeane die globale Erwärmung zu stoppen, deshalb so zutrifft, können die Forscher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen. Nach Martins Theorie könnte die Eisendüngung des Meeres die Planktonblüte anregen. Diese würde dann mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden. Bishop will mit seinem Forschungsteam nun untersuchen, wieviel organisches Material dann zum Meeresboden absinkt. "Bevor diese Frage nicht geklärt ist, bleibt die Eisenhypothese eine reine Theorie", so Bishop. (pte)

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    Der Sturm trieb auch einige modische Blüten ...

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