Weltweit gegen den Irak-Krieg

28. Oktober 2002, 11:24
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Größte Friedensdemonstrationen seit dem Vietnamkrieg in den USA

Washington/Berlin/Los Cabos - Zehntausende Menschen sind am Wochenende weltweit, von Tokio bis Washington, aus Protest gegen einen drohenden Militärschlag der USA im Irak auf die Straßen gegangen. Demonstrationen anlässlich dieses Aktionstags für den Frieden fanden in europäischen Städten ebenso statt wie in Mittelamerika, Asien und den USA. Allein in der US-Hauptstadt kamen nach Angaben der Veranstalter bis zu 200.000 Demonstranten zusammen. Auch in San Francisco, Berlin, Frankfurt am Main, Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm, Rom, Madrid, Seoul, Tokio und anderen Städten gingen insgesamt mehrere zehntausend Kriegsgegner auf die Straßen und forderten die US-Regierung zu einer Umkehr ihrer Irak-Politik auf.

"Keine Beweise, kein Krieg"

In den USA sprachen die Organisatoren von der größten Friedensdemonstration in den USA seit dem Vietnamkrieg. Laut dem Veranstalter nahmen in Washington rund 150.000 Menschen teil, Beobachtern zufolge weniger als 50.000. In San Francisco versammelten sich rund 42.000 Kriegsgegner. "Keine Beweise, kein Krieg" stand auf Transparenten während einer Kundgebung in Washington am Samstag. In San Francisco trugen Demonstranten Plakate mit Fotos von Bush, Vize-Präsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit dem Zusatz "Massenvernichtungswaffen". Bush drängte unterdessen den UNO-Sicherheitsrat erneut zu einer harten Irak-Resolution, während Außenminister Colin Powell eine rasche Einigung des Rates forderte.

"Bush, du kannst dich nicht verstecken"

Ein Krieg gegen den Irak sei hässlich und unnötig, sagte der demokratische US-Bürgerrechtler Jesse Jackson vor dem Denkmal für die Veteranen des Vietnam-Krieges zu den Demonstranten. Einige Demonstranten riefen: "George Bush, du kannst dich nicht verstecken, wir klagen dich des Völkermordes an." Jackson rief die Kundgebungsteilnehmer dazu auf, auf bei den Kongresswahlen am 5. November ein Zeichen für einen "Regimewechsel in diesem Land" zu setzen - in Anspielung an den von Präsident George W. Bush geforderten Regimewechsel in Irak. "Wenn wir einen Präventivschlag gegen den Irak starten, verlieren wir jegliche moralische Autorität", sagte Jackson.

Der frühere US-Justizminister Ramsey Clark sagte vor den Kundgebungsteilnehmern in Anspielung auf Bushs Vorhaben, den irakischen Staatschef Saddam Hussein zu stürzen, ebenfalls, es sei "Zeit, das Regime zu wechseln - aber hier, in Amerika". Clark prangerte an, dass durch die gegen den Irak verhängte UN-Blockade dort bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen gestorben seien. Auch die Sängerin Patti Smith und die Schauspielerin Susan Sarandon sprachen zu den Demonstranten. Zu der Kundgegung hatten linke Organisationen und Menschenrechtsgruppen aufgerufen. Der Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton erklärte: "Wir sind die Patrioten, die glauben, dass Amerika die Welt heilen und ihr keinen Atomkrieg bringen sollte."

"No Blood for Oil"

In San Francisco marschierten Demonstranten unter der Parole "No Blood for Oil" (Kein Blut für Öl) vom Finanzviertel zum Rathaus. In der Nähe von Taos in New Mexico zogen mehr als 2.000 Menschen singend und trommelnd zu einem Privathaus von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Rund 3.000 Menschen beteiligten sich am Sonntag an einem Friedensmarsch in Madrid. Sie skandierten Rufe wie "Bush und Saddam sind Mörder" und trugen Plakate, auf denen Bush mit Hitler verglichen wurde.

In Deutschland fand die mit Abstand größte Kundgebung in Berlin statt, wo sich laut Polizei bis zu 8.000 Menschen an einem Protestmarsch durch die Innenstadt beteiligten. Die Veranstalter sprachen von insgesamt 30.000 Teilnehmern. In Frankfurt am Main beteiligten sich bis zu 2.000 Menschen an einem Protestzug. Insgesamt gab es Demonstrationen in etwa 70 deutschen Städten, darunter München, Düsseldorf, Köln, Hannover, Hamburg und Stuttgart. Proteste gab es auch in Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm und Rom.

US-Präsident George W. Bush bekräftigte unterdessen in Mexiko seine Drohung, die USA würden notfalls auch ohne ein UN-Mandat gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein militärisch vorgehen. Am Randes des Gipfels der Asien-Pazifik-Kooperation (APEC) in Los Cabos in Mexiko sagte Bush am Samstag nach einem Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten Vicente Fox: "Wenn die UN nicht handeln und wenn Saddam Hussein nicht abrüstet, werden wir eine Koalition anführen, die ihn entwaffnet."

Am Montag erörtert der Weltsicherheitsrat in New York mit den beiden UNO-Chefinspektoren die Möglichkeiten umfassender und zuverlässiger Waffenkontrollen im Irak. Von den Beratungen des Sicherheitsrats mit den Leitern der Irak-Kontrollkommission (UNMOVIC), Hans Blix, und der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO), Mohammed el Baradei, werden letzte Weichenstellungen für die Entscheidung der 15 Ratsmitglieder über eine neue Irak-Resolution erwartet. Blix und el Baradei sollen dem Gremium vor allem zu den Erfolgsaussichten einer neuen Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen Rede und Antwort stehen. Washington und London wollen vom Sicherheitsrat eine Resolution billigen lassen, die dem Irak bei Zuwiderhandlungen ohne weitere Vorbedingung mit Militäraktionen droht. (APA/dpa/AP)

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