57 Stunden Terror im Musicaltheater

26. Oktober 2002, 16:41
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Moskau - Nach 57 Stunden der Angst haben russische Spezialeinheiten Samstag früh das Moskauer Musicaltheater gestürmt, in dem bis zu 50 tschetschenische Rebellen zwischen 700 und 1.000 Geiseln festhielten. Nach Behördenangaben starben mindestens 67 Geiseln und 34 der Geiselnehmer. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse.

MITTWOCH:

21.00 Uhr (Ortszeit; 19.00 Uhr MESZ): Etwa 50 Bewaffnete stürmen eine Musical-Vorstellung und bringen die mehr als 700 Zuschauer in ihre Gewalt. Sie sind mit Sturmgewehren bewaffnet, verminen das Theater und drohen, das Gebäude in die Luft zu sprengen.

Sondereinsatzkräfte beziehen Stellung. Etwa 30 Menschen werden freigelassen, darunter Kinder, Georgier und andere Ausländer.

Wenig später wird eine 26-jährige Frau erschossen, die sich dem Gebäude von außen nähert. Ihr Leichnam bleibt zunächst liegen.

DONNERSTAG:

00.30 Uhr: Die Geiselnehmer geben ihre Forderungen bekannt: Wenn die Armee nicht binnen einer Woche mit dem Rückzug aus Tschetschenien beginne, werde das Theater mit allen Geiseln gesprengt.

13.30 Uhr: Fünf Geiseln werden freigelassen, unter ihnen ein Brite.

14.00 Uhr: Die Geiselnehmer trennen nach Rundfunkangaben Kinder von ihren Eltern. Die Gefangenen dürften nicht mehr auf die Toilette gehen.

16.00 Uhr: Der Leichnam der am Vorabend erschossenen Frau wird geborgen.

18.30 Uhr: Die Geiselnehmer feuern mit Granaten auf zwei fliehende Frauen. Den beiden Geiseln gelingt die Flucht, eine wird verletzt.

FREITAG

06.30 Uhr: Die Geiselnehmer lassen sieben Menschen frei.

12.30 Uhr: Acht Kinder dürfen das Theater verlassen. Das Auswärtige Amt geht von zwei Deutschen unter den Geiseln aus.

16.00 Uhr: Die Geiselnehmer drohen, ab Samstagmorgen 06.00 Uhr die ersten Geiseln umzubringen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

20.00 Uhr: Vier Geiseln werden freigelassen. Gleichzeitig erklärt das tschetschenische Kommando erstmals die Bereitschaft, mit einem Gesandten der Regierung zu verhandeln.

SAMSTAG

00.30 Uhr: Ein Interfax-Korrespondent hört zwei Schüsse aus dem Inneren des Gebäudes.

02.30 Uhr: Zwei verletzte Geiseln werden von Ärzten aus dem Theater gebracht.

03.30 Uhr: Eine Explosion und Schüsse sind aus Richtung des Theaters zu hören. Etwa 20 Soldaten laufen von dem Gebäude weg.

05.30 Uhr: Zwei weibliche Geiseln berichten dem Radiosender Moskauer Echo live per Telefon von starkem Gasgeruch, der ins Theater dringt. Russische Spezialeinheiten leiten offenbar einschläferndes Gas in das Gebäude und beginnen mit der Erstürmung. Über das Telefon sind Schüsse im Hintergrund zu hören.

05.40 Uhr: Drei starke Explosionen erschüttern die Umgebung.

06.00 Uhr: Das Ultimatum der Geiselnehmer läuft ab, der Krisenstab gibt die Erschießung zweier Geiseln bekannt. Eine Gruppe der übrigen Geiseln versucht die Flucht. Die Rebellen schießen auf sie, töten und verletzen mehrere.

06.30 Uhr: Eine starke Explosion ereignet sich neben dem Theater, gefolgt von kleineren Detonationen und Schusswechseln. Gepanzerte Fahrzeuge fahren zum Gebäude. Interfax meldet die Flucht von zwei weiblichen Geiseln.

06.35 Uhr: Interfax meldet die Befreiung von sechs weiteren Geiseln.

07.00 Uhr: Der Lärm von Schusswechseln und Detonationen lässt nach.

07.15 Uhr: Der Kreml gibt den Tod von Rebellen-Anführer Mowsar Barajew bekannt.

07.25 Uhr: Der Krisenstab meldet die Befreiung aller Geiseln. Unter ihnen gibt es nach Augenzeugenberichten aber Tote und Verletzte. (APA)

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