Siegfried Unseld ist tot

26. Oktober 2002, 17:36
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Der Suhrkamp-Verleger starb 78-jährig an einer Herzattacke

Hamburg - Siegfried Unseld, einer der bedeutendsten deutschen Verleger der Nachkriegszeit, ist tot. Der Verleger des Suhrkamp-Verlages starb am Samstag im Alter von 78 Jahren nach langer schwerer Krankheit.

Seit 1959 war Unseld Verleger des Suhrkamp-Verlages und prägte mit einem intellektuell und künstlerisch anspruchsvollen Programm das geistige Leben der Bundesrepublik.

Eine Herzattacke und andere gesundheitliche Komplikationen hatten Siegfried Unseld in diesem Sommer zum Rückzug aus dem aktiven Verlagsgeschehen gezwungen. Die vergangene Frankfurter Buchmesse fand ohne ihn statt. Fast bis zum Schluss hat er alle wichtigen Entscheidungen im Verlag selbst getroffen.

Der Suhrkamp Verlag folgt nach eigener Darstellung einer doppelten Publikationslinie: deutschsprachige und internationale Literatur des 20. Jahrhunderts und Geisteswissenschaften, die theoretisch und ästhetisch eine "conditio humana" repräsentieren.

Schwerpunkt der Literatur ist die zeitgenössische, deutschsprachige Literatur aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, im Zentrum die Gesamtwerke von Brecht und Hesse. Die bedeutenden Autoren der Zeit finden sich im Verlag ferner Paul Celan, Tankred Dorst, Günter Eich, H.M. Enzensberger, Friederike Mayröcker, Adolf Muschg, Paul Nizon, Hans Erich Nossack, Nelly Sachs und Peter Weiss.

Der Verlag hat darüber hinaus "klassische Autoren" neu entdeckt: Hermann Broch, Marieluise Fleißer, Ludwig Hohl, Ödön von Horvath, Karl Kraus, Robert Walser und Ernst Weiß. (APA/dpa)

  • Siegfried Unseld
    foto :standard/cremer

    Siegfried Unseld

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